Von der Ansicht zur Aufsicht – Ein Perspektivenwechsel
Die zunehmende Anzahl (wenig informativer) Pressebilder aus der Vogelperspektive, bestärkt Jennifer Allen in der These, dass sich in Zeiten der Google-Kartographie und GPS-Verortung unsere Sicht der Dinge von einer statischen Zentralperspektive zu einer dynamischen Vogelperspektive wandelt. Mehr zur Aufsicht als symbolischer Form des 21. Jahrhunderts in ihrem Artikel That Eye, The Sky.
Für alle die den Urtyp des smarten Nerds besser kennenlernen möchten sei diese Ausstellung sehr empfohlen:
Codes und Clowns
Claude Shannon – Jongleur der Wissenschaft
Sonderausstellung vom 6. November 2009 bis zum 28. Februar 2010 www.hnf.de/Shannon/
Heinz Nixdorf Museums Forum, Fürstenallee 7, D-33102 Paderborn
Warum es sich lohnt für soetwas irgendwohin zu fahren ist theoretisch fraglich aber praktisch werden die Orginale seiner Maschinen ausgestellt, so auch das Orginal der Ultimate Machine (inklusive Aura etc.):
In der neuen Serie „Castle“ von ABC (IMDB Link hier) verbinden sich mehrere Formate, die man normalerweise nicht miteinander in Verbindung bringen würde: Crime, Comedy und Sitcom. Ein erfolgreicher, populärkultureller Autor (Richard Castle, gespielt von Nathan Fillion) und eine Polizistin beim Morddezernat des NYPD (Kate Beckett, gespielt von Stana Katic), bilden das unwahrscheinliche Duo, das mit vereinten Kräften genauso unwahrscheinliche Mordfälle aufklärt.
So weit, so durchschnittlich. Doch was das Flair der Serie ausmacht ist nicht nur das extrem schnelle und auf Wortwitz getrimmte Scripting, sondern die mit viel Druck und schneller Musik vorangetriebene Montage. Schnelle Schnitte, schnelle Musik und mindestens drei Plot-Twists pro Folge, geben der Serie das Gefühl eines makabren Karnevals, der leicht außer Kontrolle geraten ist. Nicht nur die Morde, die dafür verantwortlich sein werden, dass „Castle“ diesen Herbst im späten 22h Slot (Eastern Time) zurückkehrt, sondern auch die zunehmend liebevollen Zankereien der beiden Protagonisten sorgen dafür, dass die Serie als guter Vertreter der seichteren Unterhaltungssparte einen erneuten Platz in der Senderplanung erhalten hat. Mehr »
Es war die heiße Phase eines Fußballspiels in der 83. Minute. Uefa-Cup Halbfinale Rückspiel zwischen dem Hamburger SV und Werder Bremen. Der Hamburger Abwehrspieler Michael Gravgaard will den Ball zu seinem Torhüter zurückspielen – und verstolpert… Oder doch nicht? Der Kommentator begleitet wie immer die Bilder mit seinem laufenden Kommentar: „Und Gravgaard guckt entsetzt auf den sogenannten Rasen. Ja da lag noch irgend was… Irgend was Weißes war da im Weg“. Die Kamera schwenkt auf den kleinen weißen Gegenstand, den Gravgaard bereits mit einem Tritt vom Feld befördert hat. Es ist nicht genau zu erkennen, was da liegt. „Da ist es, das corpus delicti! Sieht aus wie Papier“, lässt der Kommentator erneut verlauten und läutet damit die steile Medienkarriere eines Gegenstandes ein, dem man eine solche nicht zugetraut hätte (den Clip auf YouTube findet Ihr hier ). Ehe der nächste Tag zu Ende geht, ist dieser kleine Gegenstand zu großem Ruhm gelangt: schicksalhafter Entscheider, Hassobjekt, Kleinod, Medienkuriosität, Museumsstück und Objekt zahlreicher Fälschungen. Wie kann ein solch unscheinbares Objekt eine derartige Kaskade von Reaktionen auslösen? Mehr »
Viele kennen den französischen Philosoph Michel Foucault für Werke wie Archäologie des Wissens, Die Ordnung der Dinge oder Wahnsinn und Gesellschaft. Aber nur wenige wissen von Foucaults Leidenschaft für das Kochen. Tatsächlich servierte er in seiner wöchentlich ausgestrahlten Show Kochen mit Foucault jedoch philosophische, psychologische sowie soziologische Raffinessen, gewürzt mit neuartigen Denkansätzen. Mehr »
Laut dem Physiker und Philosoph Heinz von Foerster ist unsere ›Wirklichkeit‹ eine Konstruktion und jedes Individuum erfindet quasi seine Umwelt. Beim menschlichen Organismus handelt es sich nämlich um ein nahezu geschlossenes System, dessen Oberfläche verhältnismäßig unempfindlich gegenüber Umweltreizen ist, und das um so sensibler auf körpereigene Veränderungen reagiert. Dadurch erhält das System seine Stabilität.
Tatsächlich wissen wir also nicht mit Gewissheit, was uns da eigentlich umgibt. Nur merken wir das erst, wenn wir mit einer anderen Sicht der Dinge konfrontiert werden, uns mit Konstruktivisten unterhalten – oder mit Drogen beschäftigten.
Der Medientheoretiker Friedrich Kittler (*1943) beschäftigt sich vornehmlich mit Medientechnik und der Manipulation von Information. Denn laut Kittler ist alles, was Informationen verarbeitet, speichert und überträgt, ein Medium.
In seinem Aufsatz »Die Nacht der Substanz« beschreibt Kittler vier Nächte der europäischen Geschichte und vier Etappen der Datenverarbeitung. Es handelt sich dabei um Nächte von solcher Finsternis, dass »alle Kühe schwarz sind« und nur mehr Medientechnik Informationen ans Licht zu bringen vermag.
Menschen nutzen Dinge jenseits ihrer ursprünglich angedachten Funktion. Sie entfremden und schaffen dadurch Neues. Der vorgegebene Zweck tritt in den Hintergrund und man selbst trägt zu einer sekundären Produktion bei.
Der französische Soziologe, Historiker und Kulturphilosoph Michel de Certeau setzt sich in seinem Werk »Die Kunst des Handelns« unter anderem mit diesem Phänomen auseinander. Er ist der Meinung, dass jedes Individuum anders wahrnehme, d.h. dass die vorgegebene Codierung von jedem anders decodiert wird. Mehr »
Jedes Ding hat einen Zweck. Doch kann man diesen Zweck und Sinn, ganz ohne dieses Ding zu fragen,
in einen komplett anderen für uns übertragen.
Wir geben den Dingen einen neuen Sinn und mit Kreativität ist der ursprüngliche Gedanke des Produzenten zwar hin,
doch wir erzielen so den für uns besten Gewinn.