Michel Foucault und der Diskurs der Medien
Geisteswissenschaftlicher Sammelbegriff (6 Buchstaben): M _ _ _ E _
Körper, Buchdruck, Radio, Kleidung, Licht, Liebe, Relais, Auto, Perspektive, Literatur, Theater, Werkzeug, Bild/Schrift/Zahl, Kunst, Post, frühzeitliche Register für Hochwasser und Sternenstand, Wahrsager, Stimme, Holzschnitt, Rechner, Mikroskop, Waffe, Wasser, Hardwaresystem, Flugzeug, Brieftaube, Tanz, Photographie, Schallplatte, Geld, Film, Presse, Brille, Schreibmaschine, Grenzstein, Satellitennavigationssystem, Megaphon, Elektrifizierung, Kunst, Grammophon, Füller, Telephon, Videospiel, Fernsehen und Sprache … oder einfach nur Medien?!
Ob Technologie oder Kommunikationsmittel, Apparatur oder symbolische Form, Instrument oder Darstellungsraum, Artefakt oder Institution, Gattung oder Grundstoff, nichts scheint gegen das Medium-Sein gefeit! Doch was auf den ersten Blick chaotisch anmutet, hat Methode bzw. ein gemeinsames Fundament. Auch wenn man ein wenig tiefer graben muss, um dieses freizulegen.
Nicht davor und nicht danach (10 Buchstaben): D _ Z _ _ _ _ _ _ _
Tatsächlich sind die Medien, von denen wir tagtäglich hören und über die sich mittlerweile jeder auszulassen weiß, nämlich nur die Spitze eines Eisbergs an Bedeutungen. Der besteht aus den unzähligen Bedeutungen, die sich im Laufe der Zeit abgelagert haben und die stets aufs Neue die Diskussion darüber entfachen, was unter ›Medium‹ bzw. ›Medien‹ zu verstehen sei. Obwohl der Begriff inzwischen ein selbstverständlicher Bestandteil unseres alltäglichen Wortschatzes zu sein scheint, sollten wir uns besser vergewissern, ob alle tatsächlich dasselbe meinen, wenn von Medien die Rede ist.
Der Terminus ›Medien‹ wird zwar erst Ende der 1960er Jahre geläufig, mit Verbreitung der sogenannten ›Massenmedien‹. Sein singulärer Bruder, ›das Medium‹, blickt jedoch auf eine lange Tradition zurück, die nur bedingt etwas mit Fernsehen, Radio, Presse, Telephon, Internet, also mit Massenkommunikationsmitteln, zu tun hat. Das lateinische medium heißt Mitte oder Mittleres und steht für Vermittlung und Vermittler – ist also irgendwie dazwischen, statt nur dabei. Und dieses ›Irgendwie‹ beschäftigt die Welt nicht erst seit gestern, wie die philosophische Tradition des Begriffes beweist. Schon die Wahrnehmungstheorie der Antike widmete sich dem Medium als Stofflichkeit, in der ›irgendwie‹ Anschauung geschieht.
Die Sprachtheorie des 18. Jahrhunderts untersuchte die Sprache als Medium des Denkens, in dem ›irgendwie‹ Gedanken zu einer Präsenz kommen. Und spätestens Mitte des 19. Jahrhunderts rückte unter anderem mit der Verbreitung von Photographie und Telegraphie der technische Aspekt eines Mediums in den Vordergrund, das ›irgendwie‹ Übertragung ermöglicht.
Bevor ›die Medien‹ also zu einem gesellschaftlichen Thema avancierten, hatte ›das Medium‹ demnach bereits eine beachtliche interdisziplinäre Karriere hinter sich.
Dass wir heute mit beiden Begriffen eher Kommunikation, Interaktion und Information denn Materialität oder Darstellung verbinden, verdanken wir nicht zuletzt dem Begriff der ›Massenmedien‹. Und den hat uns die US-amerikanische Kommunikationsforschung und deren technisch orientierter Medienbegriff beschert.
Doch während diese in den 1940-1950er Jahren die Effekte der Medien rein statistisch zu evaluieren versuchte, taten sich anderenorts längst weniger pragmatische Medien-Perspektiven auf.
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Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch Was mit Medien. Theorie in 15 Sachgeschichten.
