- nach konstruktivistischer Spielart
»Die Wolken? Du bist doch bescheuert, es gibt keine roten Wolken!«
»Wohl! Schau doch!«
»Farbenblind bist du! Das ist doch nicht rot!«
»Natürlich ist das … oh … äh, aber gerade war es wirklich rot! Ich schwör’!«
»Maaaaaama, Paul mooogelt!«
Terror auf der Rückbank statt ruhiggestelltem Nachwuchs – Ich sehe was, was du nicht siehst stiftet grundsätzlich immer Unfrieden! Stets endet das Kinderspiel im Streit und selbst die Erwachsenenwelt plagt dieser klassische Casus Belli. Das Problem, was wir eigentlich sehen oder nicht sehen, wenn wir sehen, beschäftigt nämlich nicht nur einander bemogelnde Mitspieler. Vielmehr schürt die Frage, ob es eine objektiv beobachtbare Umwelt gibt und wie diese erkannt werden kann, seit jeher hitzige Auseinandersetzungen zum Thema Wirklichkeit.
Ich sehe was
Erkennen wollen? Die Welt? Ein mildes Lächeln – mehr auch nicht – mag der österreichische Physiker und Philosoph Heinz von Foerster (1911-2002) derlei Ambitionen vielleicht gezollt haben. Denn in seiner Version einer Erkenntnistheorie sind wir Erfinder unserer Welt. Erkenntnis entspricht darin Errechnung und unser Weltbild entsteht aus zusammengestückelten Zellerregungszuständen. Gemäß seiner Lehre von der Steuerung und Regelung beobachtender Systeme oder kurz Kybernetik zweiter Ordnung
wissen wir ausgesprochen wenig von dem, was wir da ›wahrnehmen‹.
…
Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch Was mit Medien. Theorie in 15 Sachgeschichten.
