Fritz Heider von Medien umgeben
Nach 100 Metern rechts abbiegen.
Jetzt: rechts abbiegen.
Dem Straßenverlauf für 3,2 Kilometer folgen …
- Schön, wenn heute wenigstens einer an Bord weiß, wo’s langgeht!
Vor noch gar nicht allzu langer Zeit gehörten frühzeitiges Routenplanen und Kartenlesen zu jeder längeren Autofahrt. Seit jedoch GPS
die Welt übersichtlicher gemacht und die genaue Positionsbestimmung von Fahrzeugen ermöglicht hat, leiten moderne Navigationssysteme den zielstrebigen Menschen von heute. Längst sind die Augen des Fahrers nicht mehr auf einen Punkt am Horizont, sondern auf einen kleinen Monitor im Cockpit gerichtet und statt auf die hilfreichen Vorschläge des Beifahrers zu hören, leistet er den Befehlen einer freundlichen Maschinenstimme Folge. Denn egal wie oft über unausgereifte Software, Fehlleitungen oder umständliche Bedienung geschimpft wird: Es ist Not an der Frau oder am Mann, sollten Bordcomputer oder Handhelds tatsächlich streiken! Sind die Autofahrer erst einmal auf die eigenen Sinne gestellt und damit der Orientierungslosigkeit preisgegeben, erscheinen ihnen die Apparate wieder sehr nützlich. Und dazu kommt es schnell: Bereits ein heftiges Schneegestöber kurz vor der vermuteten Abfahrt wird zum blinden Wettlauf gegen die Zeit, weil Festkörper, hier Schneeflocken, die GPS-Signale stören. Empfangen werden die von Satelliten ausgesandten Positionssignale samt Sendezeiten nämlich am besten, wenn die Luft rein ist und kein Ding ihren Weg kreuzt – oder vielmehr ihre Wege. Ein GPS-Empfänger bedarf der Information von mindestens vier Satelliten, um seine Echtzeitpositionierung sowie seine Geschwindigkeit und Bewegungsrichtung zu berechnen.
Erkenntnis ohne Grenzen
Gut vorstellbar, dass auch Fritz Heider (1896-1988) seine helle Freude an neumodischen Gadgets gehabt hätte, die es dem Menschen erlauben, sich dank modernster Technologie in der Welt zurechtzufinden. Immerhin hat den Wahrnehmungspsychologen seinerzeit die Frage beschäftigt, wie wir unsere Außenwelt erkennen und uns zu ihr in Bezug setzen. Dabei interessierte ihn weniger der Mensch als Signalempfänger und was in einer wahrnehmenden Person passiert. Vielmehr wollte er wissen, welche Bedingungen die gegenständliche Umwelt erfüllen muss, damit der Mensch die ihn umgebenden Dinge wahrnehmen und sinnvoll in dieser Dingwelt handeln kann. Aus diesen Überlegungen entsteht Ding und Medium
, ein 1926 veröffentlichter Aufsatz, in dem Heider nicht nur seine Sicht der ›Dinge‹ darlegt, sondern auch sein Verständnis vom ›Medium‹ als etwas, was uns Kunde von den Dingen gibt.
…
Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch Was mit Medien. Theorie in 15 Sachgeschichten.
