Viele kennen den französischen Philosoph Michel Foucault für Werke wie Archäologie des Wissens, Die Ordnung der Dinge oder Wahnsinn und Gesellschaft. Aber nur wenige wissen von Foucaults Leidenschaft für das Kochen. Tatsächlich servierte er in seiner wöchentlich ausgestrahlten Show Kochen mit Foucault jedoch philosophische, psychologische sowie soziologische Raffinessen, gewürzt mit neuartigen Denkansätzen.
Monatliches Archive: Januar 2009
Eine Story – viele Versionen
ICH SEHE
Laut dem Physiker und Philosoph Heinz von Foerster ist unsere ›Wirklichkeit‹ eine Konstruktion und jedes Individuum erfindet quasi seine Umwelt. Beim menschlichen Organismus handelt es sich nämlich um ein nahezu geschlossenes System, dessen Oberfläche verhältnismäßig unempfindlich gegenüber Umweltreizen ist, und das um so sensibler auf körpereigene Veränderungen reagiert. Dadurch erhält das System seine Stabilität.
Tatsächlich [...]
In der Nacht sind alle Kühe schwarz
Der Medientheoretiker Friedrich Kittler (*1943) beschäftigt sich vornehmlich mit Medientechnik und der Manipulation von Information. Denn laut Kittler ist alles, was Informationen verarbeitet, speichert und überträgt, ein Medium.
In seinem Aufsatz »Die Nacht der Substanz« beschreibt Kittler vier Nächte der europäischen Geschichte und vier Etappen der Datenverarbeitung. Es handelt sich dabei um Nächte von solcher Finsternis, [...]
Ich denke Bild, wenn ich Wort höre.
Menschen nutzen Dinge jenseits ihrer ursprünglich angedachten Funktion. Sie entfremden und schaffen dadurch Neues. Der vorgegebene Zweck tritt in den Hintergrund und man selbst trägt zu einer sekundären Produktion bei.
Der französische Soziologe, Historiker und Kulturphilosoph Michel de Certeau setzt sich in seinem Werk »Die Kunst des Handelns« unter anderem mit diesem Phänomen auseinander. Er ist [...]
Zweckentfremdung von Gegenständen
Jedes Ding hat einen Zweck. Doch kann man diesen Zweck und Sinn, ganz ohne dieses Ding zu fragen,
in einen komplett anderen für uns übertragen.
Wir geben den Dingen einen neuen Sinn und mit Kreativität ist der ursprüngliche Gedanke des Produzenten zwar hin,
doch wir erzielen so den für uns besten Gewinn.
Platonische Evolution
Als Philosoph und einer der populärsten Schrift-Skeptiker überhaupt traute Platon (* Athen 427 v. Chr. – † Athen 347 v. Chr.) der Schrift lediglich eine Notizfunktion für die eigenen Gedanken zu. In seinem Werk Phaidros setzt er sich mit dieser Thematik auseinander.
Eine Schrift könne niemals einen Lehrer ersetzen, der uns – im Gegensatz zu den [...]
Heute schon verwiesen?
Jacques Derridas Begriff der Schrift
Um den Einstieg in die Welt Jacques Derridas zu erleichtern hier ein kurzer Chrashkurs:
Medien-Shooter
Die Meisten denken bei Medien wahrscheinlich spontan an Zeitung, Fernsehen oder Radio und dass sie gerne auch was mit Medien machen würden. Bei genauerer Betrachtung wird aber schnell klar, warum sich der Begriff ›Medien‹ nicht einfach auf eine konkrete Sache reduzieren lässt, wie Repräsentationsformen, Symboliken oder Techniken:
Sigmund Freud:
Neffe Schlomo zeigt seinem Onkel voller Stolz sein neues Spielzeug, einen Wunderblock (Zaubertafel). Doch Onkel Sigismunds Interesse wird erst geweckt, als er merkt, dass sich der Block gut für seine eigenen Zwecke mißbrauchen lässt. In seiner Euphorie geht er eindeutig zu weit …
Unterricht mit Professor Dr. Schnabel
Einführung in die Zeichentheorie
Der Genfer Sprachwissenschaftler Ferdinand de Saussure (1857-1913) gilt als Begründer der modernen Linguistik (Wissenschaft von den sprachlichen Zeichen). Überwiegend hat er sich mit der inneren Sprachwissenschaft auseinandergesetzt. Er entwickelte eine vollständig neue Herangehensweise an Sprache und verstand diese als ein System von Zeichen, das sich als Aufgabe stellt zu untersuchen, wie dieses [...]
