Viele kennen den französischen Philosoph Michel Foucault für Werke wie Archäologie des Wissens, Die Ordnung der Dinge oder Wahnsinn und Gesellschaft. Aber nur wenige wissen von Foucaults Leidenschaft für das Kochen. Tatsächlich servierte er in seiner wöchentlich ausgestrahlten Show Kochen mit Foucault jedoch philosophische, psychologische sowie soziologische Raffinessen, gewürzt mit neuartigen Denkansätzen.Besonders kompliziert ist das Rezept für Wissenschaften, da Wissen einer besonders aufwendigen Zubereitung bedarf. Der Grund dafür ist vor allem, dass man es bei der diskursiven Praxis mit schwer fassbaren Zutaten wie zum Beispiel dem ›historischen Apriori‹ zu tun hat. Und das kann man nicht ohne Weiteres mit anderen Ingredienzien in einem Topf vermischen. Vielmehr muss man sich erst einmal vor Augen halten, was es damit überhaupt auf sich hat – nämlich ein Bündel von Bedingungen, das vor jedem Kochprozess steht und die Produktauswahl beeinflusst.
Foucault kreierte mit seiner Diskursanalyse eine bis heute bedeutende Herangehensweise, denn es steht nicht mehr im Mittelpunkt, was in den Topf kommt, sondern unter welchen Bedingungen es dazu gekommen ist. Man nehme also mehrere unterschiedliche Aussagen, sortiere diese nach bestimmten Kriterien (z.B. Aussageabsicht, Thema, Wortwahl…) zu diskursiven Formationen und verdichte diese wiederum zu einem Diskurs mit typischem Geschmack. Diese sogenannte ›Positivität‹ eines Diskurses wird vom ›historischen Apriori‹ vorgegeben, das allen Aussagen vorausgeht. Anschließend füge man dem Diskurs noch weitere Diskurse hinzu, sodass man ein sämiges Archiv erhält. Damit meint Foucault das übergeordnete System, welches Aussagen als Ereignisse definiert, die unter bestimmten Umständen überhaupt erst entstehen können. Am Ende der diskursiven Praxis erhält man schmackhaftes Wissen. Garniert und fein angerichtet ergibt sich daraus die Wissenschaft. Zum Nachkochen empfiehlt sich übrigens der Mitschnitt aus »Kochen mit Foucault«.
Guten Appetit!

