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	<title>Mediendenken.de &#187; nadine</title>
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	<description>Medientheorie 3.0</description>
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		<title>McLuhan 2010</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Jan 2010 10:46:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nadine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Phänomen]]></category>
		<category><![CDATA[Der Artikel]]></category>
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		<category><![CDATA[Prothesen]]></category>

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		<description><![CDATA[Weiter geht's.
Klick.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Weiter geht&#8217;s.<br />
<a href="Weiter geht's:  &lt;a href=&quot;http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,669567,00.html&quot;&gt;">Klick.</a></p>
<p><a href="http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,669567,00.html"></a></p>
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		<title>Die Sendung mit dem Mauss</title>
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		<pubDate>Fri, 17 Oct 2008 09:48:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nadine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Phänomen]]></category>
		<category><![CDATA[Der Begriff]]></category>
		<category><![CDATA[Die Person]]></category>

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		<description><![CDATA[Der französische Soziologe, Ethnologe und Anthropologe Marcel Mauss hat sich in seinem Werk unter anderem mit den Körpertechniken des Menschen auseinandergesetzt. Sprich, mit der Weise, in der sich die Menschen ihres Körpers bedienen. Oder anders ausgedrückt: mit den körperlichen Handlungen, die im Leben des Einzelnen sowie in der Geschichte der jeweiligen Gemeinschaft mehr oder weniger [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der französische Soziologe, Ethnologe und Anthropologe Marcel Mauss hat sich in seinem Werk unter anderem mit den Körpertechniken des Menschen auseinandergesetzt. Sprich, mit der Weise, in der sich die Menschen ihres Körpers bedienen. Oder anders ausgedrückt: mit den körperlichen Handlungen, die im Leben des Einzelnen sowie in der Geschichte der jeweiligen Gemeinschaft mehr oder weniger traditionsgemäß sind.<span id="more-1077"></span></p>
<p>Spontan denkt man bei besagten Körpertechniken etwa an die winkende Hand als Grußgeste, das Übereinanderschlagen der Beine beim Sitzen oder aber auch ganz einfach die Art wie man den Griffel beim Schreiben hält.</p>
<p>Eine der von Mauss beschriebenen und diskutierten Körpertechniken ist der menschliche Schwimmstil. Heute, so stellt Mauss in seinem berühmten Körpertechniken-Aufsatz fest, bewegt man sich durch verschiedene Arten des <em>crawl</em> durchs Wasser. Also Gesicht unter Wasser gehalten und nur zum Atmen empor gestreckt. »Damals« sah das noch anders aus und ähnelte mehr einem Kopf-über-Wasser-haltendenden Brustschwimmen. &#8220;Zusätzlich hat man die Gewohnheit aufgegeben, Wasser zu schlucken und es wieder auszuspucken. Denn die Schwimmer zu meiner Zeit betrachteten sich als eine Art Dampfschiff&#8221;, fügt er illustrativ hinzu.</p>
<p>Der Wechsel dieser Körpertechnik hängt dabei mit einem Umbruch in der Schwimmerziehung zusammen. Lernte man früher noch erst das Schwimmen und DANN das Tauchen, so ist es heutzutage genau umgekehrt: erst lernt das Kind sich überhaupt im und unter Wasser zu halten &#8211; und zwar bestenfalls mit geöffneten Augen &#8211; und dann, in einem zweiten Schritt, bringt man ihm bei zu Schwimmen. Das Tauchen kommt im Lernprozess also an erster Stelle, was eine viel sportlichere, ›ergodynamischere‹ Schwimmmethode zufolge hat.</p>
<p>Wichtig ist für Mauss also die Erkenntnis, dass es keine ›natürliche‹ Art und Weise gibt, in der sich der Mensch seines Körpers bedient. Vielmehr manifestieren sich in den Körpertechniken körperliche Disposition (physiologische Komponente), individuelle Situation (psychologische Faktoren) sowie durch die Bezugsgemeinschaft geprägte Erziehung (soziologische Tatsachen). »Der Körper ist das erste und natürlichste Instrument des Menschen«, sagt Mauss. Oder anders: Der Körper ist die physio-psycho-soziale Schnittstelle zwischen Individuum und Gemeinschaft sowie Technik und Kultur.</p>
<p>Mit der Zeitgebundenheit von Bewegungsmustern beschäftigt sich auch der Artikel <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2008/0701/feuilleton/0156/index.html">Soziale Bewegungen</a> aus der Berliner Zeitung. Diese, so die Autorinnen, zeigt sich insbesondere an Tanzstilen. Früher noch von der Etikette diktiert und am Hofe studiert hat jetzt jede Epoche und jede musikalische Anhängerschaft ihre eigene tänzerische Ausdrucksmethode. Unterrichtet werden die Mitglieder über die neuesten <em>Moves </em>nicht nur im Club, sondern auch medial per Videoclip.</p>
<p>Beispiel gefällig? Bittesehr:</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=sLGLum5SyKQ"><img class="alignnone size-medium wp-image-1078" title="bild-1" src="http://assets.mediendenken.de/uploads/2008/10/bild-1.png" alt="" width="481" height="385" /><br />
</a></p>
<p>Ein Tanzstil, der durch Schwimmbewegungseinlage sicherlich auch für Mauss interessant gewesen wäre&#8230; Und passenderweise wurde das Instruktionsvideo auch gleich im Schwimmbad gedreht.</p>
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		<title>Marshall McLuhan</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Jul 2008 11:36:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nadine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Person]]></category>

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		<description><![CDATA[Geyoutubt.
In Ton und Farbe!

Bildquelle: http://www.flickr.com/photos/wayneandwax/672589121/

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			<content:encoded><![CDATA[<p>Geyoutubt.</p>
<p>In Ton und Farbe!</p>
<p><a href="http://de.youtube.com/watch?v=A7GvQdDQv8g&amp;feature=related"><img class="alignnone size-medium wp-image-1074" title="mcluhan" src="http://assets.mediendenken.de/uploads/2008/07/mcluhan.jpg" alt="" width="240" height="179" /></a></p>
<p><a href="http://assets.mediendenken.de/uploads/2008/07/mcluhan.jpg"><span style="color: #999999;">Bildquelle: http://www.flickr.com/photos/wayneandwax/672589121/</span><br />
</a></p>
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		<title>Lettern der Macht</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Jul 2008 10:58:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nadine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Fundstück]]></category>
		<category><![CDATA[Das Problem]]></category>
		<category><![CDATA[Schlagwort hinzufügen]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Lateinisch, Chinesisch, Kyrillisch oder . . . &#8211; welche Schrift am besten ist, zählt in Wahrheit nicht. Denn mit der Schreibart waren immer Macht und soziale Ungleichheit verbunden &#8211; und so wird es auch im Zeitalter des Internets bleiben.&#8221;
Von Florian Coulmas

Weiterlesen auf:
http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/503/174980/
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="artikelTeaser"><strong>&#8220;Lateinisch, Chinesisch, Kyrillisch oder . . . &#8211; welche Schrift am besten ist, zählt in Wahrheit nicht. Denn mit der Schreibart waren immer Macht und soziale Ungleichheit verbunden &#8211; und so wird es auch im Zeitalter des Internets bleiben.</strong>&#8221;<br />
<a href="mailto:kultur-online@sueddeutsche.de"><span class="artikelAutor">Von Florian Coulmas</span></a></p>
<p class="artikelTeaser">
<p class="artikelTeaser">Weiterlesen auf:</p>
<p class="artikelTeaser"><a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/503/174980/">http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/503/174980/</a></p>
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		<title>Jetzt geht&#8217;s loos: EM-Auftakt medial</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Jun 2008 07:24:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nadine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Phänomen]]></category>
		<category><![CDATA[Agora]]></category>
		<category><![CDATA[Bildschirm]]></category>
		<category><![CDATA[Fußball]]></category>

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		<description><![CDATA[Alleine Fußball schauen ist trist.
Ein Spiel in großer Gruppe zu verfolgen, sich von der Euphorie der anderen mittragen lassen, Fans der gegnerischen Mannschaft (theoretisch) direkt ins Gesicht schreien zu können und sich bei Torfall (praktisch) in den Armen zu liegen &#8211; das ist Fußball, wie er sein soll! Ein Gemeinschaftserlebnis unter Freunden, in Angesicht von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Alleine Fußball schauen ist trist.<br />
Ein Spiel in großer Gruppe zu verfolgen, sich von der Euphorie der anderen mittragen lassen, Fans der gegnerischen Mannschaft (theoretisch) direkt ins Gesicht schreien zu können und sich bei Torfall (praktisch) in den Armen zu liegen &#8211; das ist Fußball, wie er sein soll! Ein Gemeinschaftserlebnis unter Freunden, in Angesicht von Feinden. Neumodischer Titel des kollektiven, Plasma-gesteuerten Rausches: &#8220;Public Viewing&#8221;.</p>
<p><img src="http://www.titosclub.de/images/news/fussball.jpg" alt="" width="480" height="347" /></p>
<p><a href="http://assets.mediendenken.de/uploads/2008/06/human-voice-crowd-battle-cry-charge-scream-01.mp3">(Und so hört sich&#8217;s an: human-voice-crowd-battle-cry-charge-scream-01)</a></p>
<p>Ubiquitärer Auftakt diser Massenversammlungen war die WM 2006. Allerorts wurden überdimensionale Bildschirme aufgestellt, um die Spiele gemeinsam in sportlich-miteifernder Manier verfolgen zu können. Spätestens zu dem Zeitpunkt war klar, dass die Idee von der <a href="http://www.heise.de/tp/r4/html/result.xhtml?url=/tp/r4/artikel/22/22842/1.html&amp;words=Public%20viewing&amp;T=public%20viewing">Vereinsamung der Menschen vor ihren Bildschirmen durch den Gang in die (digitale) Mediengesellschaft</a> nicht mehr zu halten ist.</p>
<p>Public Viewing &#8211; die neue Form der griechischen Agora?</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Mein Neffe Magnus und Louis Althusser, oder: Die Minimaldefinition des Materialismus.</title>
		<link>http://mediendenken.de/2008/06/mein-neffe-magnus-und-louis-althusser-oder-die-minimaldefinition-des-materialismus/</link>
		<comments>http://mediendenken.de/2008/06/mein-neffe-magnus-und-louis-althusser-oder-die-minimaldefinition-des-materialismus/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 01 Jun 2008 23:07:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nadine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Der Begriff]]></category>
		<category><![CDATA[Althusser]]></category>
		<category><![CDATA[Materialismus]]></category>

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		<description><![CDATA[
Obwohl es sicher niedlicher wäre, den folgenden Essay mit meinem kleinen Neffen Magnus zu beginnen &#8211; man stelle sich einen blonden schlanken Jungen mit blauen Augen vor -, erscheint es mir höflicher, mit dem bereits verstorbenen Philosophen Louis Althusser anzufangen. Schließlich war Althusser schon lange vor meinem Neffen da.
Bei seinen zahlreichen Lektüren der Theorien von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!--StartFragment--></p>
<p><em>Obwohl es sicher niedlicher wäre, den folgenden Essay mit meinem kleinen Neffen Magnus zu beginnen &#8211; man stelle sich einen blonden schlanken Jungen mit blauen Augen vor -, erscheint es mir höflicher, mit dem bereits verstorbenen Philosophen Louis Althusser anzufangen. Schließlich war Althusser schon lange vor meinem Neffen da.</em></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-US">Bei seinen zahlreichen Lektüren der Theorien von Karl Marx kommt Louis Althusser immer wieder auf eine &#8216;Minimaldefinition des Materialismus&#8217; Marxscher Prägung zurück. Diese Definition dient selbstverständlich dazu, den Marxschen Materialismus vom Idealismus eines Friedrich Hegel zu unterscheiden. Ohne Marx Leistung auch nur partiell schmälern zu wollen, hält Althusser dabei fest, dass dieser nicht eigentlich etwas <em>erfunden</em></span><span lang="EN-US"> habe. Der &#8216;materialistische&#8217; Gegenstand, auf den Marx rekurriere &#8211; das ökonomische und/oder gesellschaftliche Verhältnis &#8211; sei vielmehr schon lange vor Marx existent gewesen. So hält Althusser fest:</span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-US">&#8216;Diese Bemerkung ist relativ banal, wenn es wahr ist, daß für den Materialismus jede Entdeckung nur die Form der Erkenntnis eines Gegenstandes produziert, der bereits &#8220;außerhalb des Denkens&#8221; existiert.&#8217;</span></p>
<p class="MsoNormal"><span id="more-1042"></span><span lang="EN-US">Die Minimaldefinition des Materialismus &#8211; die &#8216;Existenz der Realität außerhalb des Denkens oder des Bewußtseins&#8217; &#8211; markiert aber, so denke ich, nicht nur eine &#8216;konfliktuelle Differenz&#8217;<span> </span>hinsichtlich idealistischer Philosophie oder der Ideologie des Bürgertums. Und sie bezeichnet auch nicht einfach ein grundsätzliches Misstrauen oder einen Verdacht, der dem Konsumbürger der westlichen Hemisphäre ein Mittel an die Hand gibt, beispielsweise Preis und Wert zu vergleichen, damit er nicht übers Ohr gehauen wird. Vielmehr legt diese Definition des Materialismus grundsätzlich eine Struktur fest, die zwar zugibt, selbst <em>nicht</em></span><span lang="EN-US"> Realität zu sein, dabei aber einen Gegenstand beschreibbar macht, der unbedingt Realität ist. Dieser Gegenstand wird im Marxismus (Marx) oder Postmarxismus (Althusser) eben als gesellschaftliches und ökonomisches Verhältnis gedacht, dass wesentlich <em>außerhalb</em></span><span lang="EN-US"> des Denkens existiert. Dabei ist die Frage nach den gesellschaftlichen Verhältnissen schon so oft gestellt worden, dass sie nur mehr wie eine Art Hintergrundrauschen oder auch wie eine stille Form des <em>gossip</em></span><span lang="EN-US">erscheint. Um mir Mut zu machen, sie dennoch zu stellen, gestatte ich mir einen Vergleich: Die Frage nach der Atmung ist nämlich bislang weitaus öfter gestellt worden, als die nach gesellschaftlichen Verhältnissen. Dennoch wäre es mehr als zynisch, sich die Frage nach dem &#8216;Was, Wie und Warum&#8217; der Atmung zu verbieten, wenn vor einem ein dreijähriger Junge steht &#8211; und hyperventiliert. In diesem Sinne ist die Frage nach den gesellschaftlichen Verhältnissen vielleicht zu differenzieren. Man könnte zum Beispiel einwenden, dass es eine &#8216;Gesellschaft&#8217; eigentlich gar nicht gäbe &#8211; oder das bis dato gar nicht klar sei, wie eine &#8216;Gesellschaft&#8217; präzise zu definieren ist. Dennoch hilft mir diese Frage, soziale Verhältnisse als etwas anzuerkennen, dass nicht nur außerhalb meines Denkens passiert, sondern das vor allem schon lange vor meiner eigenen Existenz Realität war. Um derartig materialistische Verhältnisse zu beschreiben, möchte ich der von Althusser vorgelegten Definition des Materialismus eine Anekdote hinzufügen, die aus dem Leben meines dreijährigen Neffen Magnus stammt.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-US">Mein Neffe Magnus ist in ein bereits komplett ausgestattetes Haus geboren worden. Dieses Haus ist etwas, was ich im Sinne des oben vorgestellten Materialismus für &#8216;real außerhalb seines Denkens&#8217; halten würde. Besonders gut ausgestattet ist darin die Küche.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-US">Magnus Eltern haben einfach alles: Parmesanmühle. Puderzuckerstreuer. Pizza-Rad.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-US">Vielleicht interessiert Magnus sich gar nicht so sehr dafür &#8211; aber er weiß es. Ich bin fest davon überzeugt, dass Magnus es weiß. Neulich hat er nämlich seinen blauen Gummiball in der Küche seiner Eltern herumgepfeffert. Zack, auf die Anrichte. Zack, gegen den Kühlschrank. Zack, knapp an der Lieblingsvase seiner Mutter vorbei. Woraufhin seine Mutter ihn sich vorknöpfte. Das moralische Lieblingsziel einer christlich-bürgerlichen Ökonomie und Gesellschaft ist ja &#8211; seit dem Alten Testament und oder seit Adam Smith &#8211; das Individuum, das Subjekt. <em>Liebe deinen Nächsten wie dich selbst</em></span><span lang="EN-US">, heißt es, oder, ökonomischer: <em>Wenn du fleissig an deinem eigenen Profit arbeitest, hilfst du der gesamten Wirtschaft</em></span><span lang="EN-US">. Magnus Mutter nahm ihn also bei der Hand, blickte ihm fest ins Gesicht und fragte ihn: Willst DU denn, dass jemand in DEINER Küche seinen Ball herumwirft? Da Magnus spürte, dass die Küche, die Doppelgarage, das Haus, der Garten, die Straße, die Stadt, die Nation, die Ökonomie und all diese <em>Materialien</em></span><span lang="EN-US"> schon vor ihm da waren, antwortete er seiner Mutter mit der einzig richtigen Gegenfrage. Er fragte:</span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-US">WO <em>IST</em></span><span lang="EN-US"> DENN <em>MEINE</em></span><span lang="EN-US"> KÜCHE? (Hier kann hinzugefügt werden, dass Magnus seine Mutter sehr sehr liebt; im Mindesten so, wie sie ihn &#8211; was die Sache unendlich kompliziert werden lässt.)</span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-US">Der Minimaldefinition des Materialismus, die Louis Althusser uns dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt hat, möchte ich diese Frage meines Neffen hinzufügen: WO <em>IST</em></span><span lang="EN-US"> DENN <em>MEINE</em></span><span lang="EN-US"> KÜCHE? Magnus sagt damit nämlich nicht nur aus, dass es eine Realität, eine KÜCHE gibt, die nicht allein in seinem Denken, Bewusstsein oder in seiner Phantasie existiert. Magnus drückt mit dieser Frage auch einen Egoismus aus, der &#8211; wie ich finde &#8211; zum Materialismus dazugehört.<span> </span>Dabei ist dieser Egoismus nicht mit dem oben angeführten biblisch oder ökonomisch moralischen Egoismus zu verwechseln, nicht mit dem <em>Hilf dir selbst dann hilft dir Gott</em></span><span lang="EN-US">-Egoismus, der einen befähigt, gute Bewerbungen zu schreiben oder einen hübschen Lebenslauf zu zimmern -<span> </span>oder der einen aus Eigennutz davon abhält, in der Küche der Frau Mutter herumzutoben. Umgekehrt: Der materialistische Egoismus, der in Magnus Frage erscheint, erkennt seine eigene Existenz an, sein <em>ex sistere</em></span><span lang="EN-US">, sein <em>Im-Außen-Sitzen</em></span><span lang="EN-US">. Er erkennt, dass ihm selbst etwas Wesentliches voraus gegangen sein muss &#8211; ein <em>Außen</em></span><span lang="EN-US"> &#8211; damit er existieren kann. Magnus Ball, die Küche, die Vase und die Worte seiner Mutter hätten sich erübrigt, wenn all das nicht lange vor ihm schon da gewesen wäre. Im Zuge dessen kann er auch erkennen, was nicht <em>per se</em></span><span lang="EN-US"> ihm gehört, was er nicht <em>durch sich selbst</em></span><span lang="EN-US"> hat: Eben eine Küche. Jemand anderes mag an dieser Frage einen anderen persönlichen Mangel erkennen &#8211; zum Beispiel, dass ihm Edelmut und Großzügigkeit fehlen.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-US">Abschliessend kann ich noch betonen, dass der egoistische Materialismus, den ich hier skizziert habe, nur mit Hilfe von Althusser <span style="text-decoration: underline;">und</span> Magnus entstehen konnte. Derjenige <em>reale </em></span><span lang="EN-US">Gegenstand, auf den ich mit meiner kurzen Skizze verweise und der wesentlich schon lange vor dieser Skizze existiert, besteht gleichermaßen aus Wörtern wie auch aus Fleisch und Blut. Und ich würde es nicht begrüßen, wenn man die Wörter einfach Althusser, und Fleisch und Blut einfach meinem Neffen Magnus zuordnete. Es gibt eine Realität! Ja! Aber es reicht nicht, einfach einen blauen Ball hineinzuwerfen, um Wort und Fleisch voneinander trennen zu können.</span></p>
<p class="MsoNormal">Simon Elson</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Eine grundsätzliche und einführende Beschreibung der Marx-Lektüre Althussers findet sich besonders in:</p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-US">Althusser, Louis: <em>Ist es einfach, in der Philosophie Marxist zu sein? </em>In: ders.:<em> Ideologie und ideologische Staatsapparate. Aufsätze zur marxistischen Theorie.</em> Hamburg/Westberlin 1977, S. 51-89.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-US">Die oben gegebene &#8216;Minimaldefinition&#8217; Althussers sowie das Zitat stammen aus:</span></p>
<p class="MsoNormal"><span lang="EN-US">Althusser, Louis: <em>Über Marx und Freud.</em> In: ders.: <em>Ideologie und ideologische Staatsapparate. Aufsätze zur marxistischen Theorie. </em>Hamburg/Westberlin 1977, S. 89-108.</span></p>
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		</item>
		<item>
		<title>1.2 Mein Medium und ich (Volltext)</title>
		<link>http://mediendenken.de/2008/06/mein-medium-und-ich-volltext/</link>
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		<pubDate>Sun, 01 Jun 2008 18:00:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nadine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Buch]]></category>

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		<description><![CDATA[Marshall McLuhan und seine Prothesen
Ein schöner Sonntagnachmittag, die Sonne scheint, du sitzt im Café und freust dich auf einen frisch gepressten Orangensaft. Noch schnell eine nette SMS an die beste Freundin, schließlich hast du dich schon eine ganze Weile nicht gemeldet.
Nur wo in dieser Riesentasche hat sich bloß diesmal das Handy versteckt?
Wühl. Kram &#8230; Taschentücher, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Marshall McLuhan und seine Prothesen</h2>
<p><em>Ein schöner Sonntagnachmittag, die Sonne scheint, du sitzt im Café und freust dich auf einen frisch gepressten Orangensaft. Noch schnell eine nette SMS an die beste Freundin, schließlich hast du dich schon eine ganze Weile nicht gemeldet.<br />
Nur wo in dieser Riesentasche hat sich bloß diesmal das Handy versteckt?<br />
Wühl. Kram &#8230; Taschentücher, Portemonnaie, Haustürschlüssel – kein Handy.<br />
Erster Panikanflug.<br />
Hast du es zu Hause liegen lassen? Oder, Gott bewahre, etwa verloren?<br />
Totale Panikattacke.<br />
O.K., wo hattest du es zum letzten Mal? War das noch heute oder wann?<br />
Oje, oh nein! Fieberhaftes Suchen. Der Kampf: Mensch gegen Unordnung in Tasche.</em><em> Die erste Träne kündigt sich an. Nicht aufgeben, weitersuchen!                                                                  Andere Optionen checken: Hosentasche &#8230; Jackentasche &#8230; Innenseite – da ist es, Gott sei Dank!           Freude. Endlose. Du bist wieder komplett</em><span id="more-1033"></span></p>
<p>So ist das heutzutage mit dem Mobiltelefon: Zu keiner Sekunde können oder wollen wir es entbehren – es ist ein richtiger Teil unserer selbst geworden, es geht nicht mehr ohne. Aber woher rührt diese Abhängigkeit eigentlich? Liegt sie wirklich nur an unserem Bedürfnis, ständig und überall erreichbar zu sein? Oder etwa an der Tatsache, dass Handys einem so schön über den einen oder anderen Moment der Langeweile hinweg helfen können? Man denke nur an diese grausamen Situationen, in denen man alleine an der Straßenecke auf jemanden warten musste, oder die Party, auf der man niemanden kannte. Hätte man da kein Handy gehabt, um über den persönlichen Begleit-Notstand hinwegzutäuschen&#8230; Man will gar nicht daran denken. Immerhin suggeriert das angestrengte Spielen mit den kleinen elektronischen Freunden zufälligen Beobachtern, dass man gerade beschäftigt ist und dass da jemand am anderen Ende ist, mit dem man sich unterhält oder dem man eine Nachricht schreibt. Handys visualisieren damit nicht nur eine Qualität des Gerade-nicht-verfügbar-Seins, sondern auch das persönliche soziale Netz. Lästige Bimmeleien und einseitige Gesprächsausschnitte tun auf akustischer Ebene ihr Übriges. Kein Wunder also, dass wir bezüglich unserer Handys zu sprichwörtlichen Klammeraffen werden, wann immer es darum geht, Nervositäten zu überspielen oder Beschäftigungslücken zu bekämpfen. – Handys, die Zigaretten des 21. Jahrhunderts?<br />
Unabhängig aber von der definitiven Klärung der Gründe ihres Siegeszuges werden heutzutage nur noch die demonstrativ Technik-Resistenten bestreiten, wie sehr uns die mobilen Endgeräte mittlerweile ans Herz beziehungsweise an die Finger gewachsen sind. – Ohne Handy fehlt einfach etwas!</p>
<h3>Medial verlängert</h3>
<p>Bereits in den 1960er Jahren, lange vor dem Zeitalter der Handys und der damit einhergehenden Manie, stellte der Literaturwissenschaftler und Medientheoretiker Marshall McLuhan (1911-1980) die These auf, dass Medien als Verlängerungen des menschlichen Körpers verstanden werden können: als nach außen verlagerte Körperteile und Organe, die gewisse Funktionen unserer menschlichen Körper übernehmen und uns auf diese Weise entlasten. Ihre Abtrennung vom unzulänglichen und beengenden System ›Mensch‹ befähigt diese Körperteile dazu, sich in der Außenwelt zu erweitern und zu perfektionieren. Das Handy wäre somit eine Verlängerung unserer Stimme und unseres Gehörs: Es erlaubt uns, mit weit entfernten Menschen zu reden, unsere Stimme an Orte zu bringen, an denen wir nicht anwesend sind, und von diesen Orten auch Hörbares zu empfangen.</p>
<p>Der Begriff des Mediums steht bei McLuhan also nicht nur für elektronische Apparate oder Massenmedien, wie er gängigerweise definiert wird, sondern für alle Techniken, Gerätschaften und Erfindungen, die bestimmte Teile oder Funktionen des menschlichen Körpers ausweiten: Der Hammer ist ein Medium, da er eine Verlängerung des Armes darstellt, die zu neuer Schlagkraft verhilft; die Brille ist ein Medium, da sie, als Erweiterung des Auges, dem Sehsinn ›unter die Arme‹ greift; Kleidungsstücke sind Medien, da sie uns als Ausweitung unserer Haut helfen, Energie zu speichern und zu verteilen und so fort.<br />
Das mag zunächst seltsam klingen, ist aber gar nicht so abwegig. Denn der Gedanke McLuhans, den Ursprung jeder Technik, jedes Mediums in einem ganz bestimmten Körperorgan zu sehen, steht in einer langen Tradition: Bereits der Geograph und Philosoph Ernst Kapp (1808-1896) konstatierte Ende des 19. Jahrhunderts in seinen Grundlinien einer Philosophie der Technik, dass der Mensch bei allem, was er tut und denkt, und somit auch bei allem, was er erzeugt, immer nur von sich selbst ausgehen könne.</p>
<div class="bookpfeil">Dieter Mersch weist in seinen Ausführungen zu Marshall McLuhan darauf hin, dass bereits vor Ernst Kapp auch andere den Menschen als »Mängelwesen« definierten, das sich mittels diverser Techniken perfektioniere – etwa Herder oder Nietzsche. Mersch, Dieter, <em>Medientheorien. Zur Einführung</em>, Hamburg 2006, S. 105-127, hier S. 109.</div>
<p>Jedes vom Menschen geschaffene Werkzeug wäre damit eine meist unbewusste Nachbildung menschlicher Körperorgane oder -funktionen, eine »Organprojection«, welche sich auf einen »antropologischen Massstab« zurückführen ließe.</p>
<div class="bookpfeil">Mehr über Prothesen und projizierte Organe gibt es nachzulesen bei: Kapp, Ernst, <em>Grundlinien einer Philosophie der Technik</em>, Düsseldorf 1978 (1877), S. 1 ff.</div>
<p>Auch der bekannte Gründer der Psychoanalyse Sigmund Freud (1856-1939) wertete Werkzeuge 1930 als Vervollkommnungen der menschlichen Organe, die die »Schranken für ihre Leistung« beiseiteräumen.</p>
<div class="bookpfeil">Freuds Gedanken zur Beziehung Mensch/Technik: Freud, Sigmund, <em>Das Unbehagen in der Kultur und andere kulturtheoretische Schriften</em>, Frankfurt a.M. 2000 (1930), S. 56 f.</div>
<p>Sie seien Kräfte, die uns dabei helfen, Mängel zu korrigieren und unsere Grenzen zu überwinden – ein harmonisches Zusammenspiel zwischen Mensch und Technik, das den Menschen seinem Idealbild immer näher bringt. Klingt wie aus einem Märchen, findet Freud, und krönt den Menschen mit dem ›fabelhaften‹ Titel des »Prothesengotts«.<br />
Diesen ›Link‹ zwischen unseren Sinnen und Körperfunktionen auf der einen Seite und Medien auf der anderen sehen wir Menschen allerdings meist nicht direkt. Wir begreifen Medien und Technik im Allgemeinen nicht als Projektionen unserer selbst, sondern als ›selbstständige‹, der Umwelt zugehörige Gegenstände.</p>
<div class="bookzitat">»Solange wir die narzißtische Haltung einnehmen und die Ausweitungen unseres eigenen Körpers als in Wirklichkeit draußen befindlich und von uns unabhängig betrachten, werden wir bei allen Herausforderungen der Technik immer wieder die gleiche Bananenschalenpirouette drehen und dann zusammenbrechen.«<br />
McLuhan, Marshall, <em>Die magischen Kanäle. Understanding Media</em>, Düsseldorf 1992, S. 87.</div>
<p>McLuhan erklärt sich dieses Phänomen der Verdrängung dadurch, dass sich die Medien wie bei einer (Selbst-)Amputation schockartig vom Körper abtrennen. Dieser scheinbar dramatische körperliche Verlust löst jedoch bei uns Menschen zunächst keinen ›Schmerz‹ aus, sondern versetzt uns vielmehr in eine Art Lähmungszustand, der verhindert, dass wir trotz oder gerade wegen unseres täglichen Umgangs mit Medien diese nicht als Abbilder unserer selbst identifizieren. »Selbstamputation schließt Selbsterkenntnis aus« , schreibt McLuhan.</p>
<div class="bookpfeil">Zum Thema ›Medien als Selbstamputationen unserer Körper‹: McLuhan, Die magischen Kanäle, darin das Kapitel <em>Verliebt in seine Apparate. Narzißmus als Narkose</em>, S. 57-64, hier S. 59.</div>
<p>Illustrieren lässt sich dieser Vorgang gut durch das Bild einer menschlichen Maschine: Hände, Arme, Beine, Augen, Nase, Ohren, Herz, Leber – sie alle entsprechen Maschinenteilen, die jeweils bestimmte Funktionen erfüllen. Das zentrale Nervensystem ist der empfindlichste Teil der Maschine, da er nicht nur mit allen anderen Teilen verbunden ist, sondern auch für die sinnlichen Wahrnehmungen zuständig ist und nicht überreizt werden darf. Läuft nun ein Maschinenteil durch Überbeanspruchung, Stress oder Reizüberflutung heiß, stößt die Maschine es ab, bevor das zentrale Nervensystem dadurch beschädigt wird.</p>
<div class="bookzitat">»Unsere Sprache kennt viele Ausdrücke, die auf diese Selbstamputation hinweisen, zu der uns verschiedene Arten des Drucks von außen zwingen. Wir sagen, ›es ist zum aus der Haut fahren‹ oder ›außer sich sein‹ [...].« McLuhan, <em>Die magischen Kanäle</em>, S. 58.</div>
<p>Ein Fuß, der zu schnell gehen muss, oder ein Auge, das zu weit Entferntes erfassen soll, wird durch eine ›externe‹ Technik entlastet, welche die entsprechende Aufgabe des menschlichen Körpers übernimmt, sollte dieser an seine sprichwörtlichen Grenzen stoßen.</p>
<p>Schon Freud erkannte allerdings ein lamentables Moment an diesem Prozess der humanoiden Ausweitung: Anstatt seine Fertigkeiten körperintern zu perfektionieren, macht sich der Mensch von äußeren Hilfsmitteln abhängig.</p>
<div class="bookpfeil">Über die Abhängigkeit des Gedächtnisses von schriftlichen Aufzeichnungen unterrichten uns Freud und andere in den <em>Fragmenten einer Geschichte des Löschens</em>.</div>
<p>McLuhan geht sogar noch einen Schritt weiter, indem er die Menschen als »Servomechanismen« der Technik bezeichnet, die aus sich selbst heraus zwar alle technischen Objekte, alle Medien hervorbringen, sich dessen aber nicht bewusst sind und ihnen damit eine immense Macht verleihen. Der Mensch wird zum »Geschlechtsteil der Maschinenwelt«, so McLuhan.</p>
<div class="bookpfeil">McLuhan vergleicht in diesem Zusammenhang die Rolle des Menschen für die Maschinenwelt mit jener der Biene für die Pflanzenwelt – beide sorgen fortwährend für neue ›Befruchtungen‹ und stellen damit eine sich stets erweiternde Vielfalt an Formen sicher. Aber auch die Maschinenwelt tut ihr Bestes, um ihre Beziehung zum Menschen am Laufen zu halten, schreibt McLuhan augenzwinkernd: »Die Welt der Maschine erwidert den Liebesbeweis des Menschen, indem sie seine Wünsche und sein Begehren schnell erfüllt, ihm nämlich Reichtum verschafft. Es war ein Verdienst der Motivforschung, daß sie die sexuellen Beziehungen des Menschen zum Auto aufdeckte.« McLuhan, Die magischen Kanäle, S. 63.</div>
<h3>Wenn die Sinne miteinander spielen</h3>
<p>Durch diese menschlich-technische Befruchtung verändert sich aber nicht nur unsere Umwelt, in die wir beständig unsere Organe und Fertigkeiten in Form von Medien projizieren, sondern auch unsere Körper und unsere Wahrnehmung. Jede Verlagerung nach außen erzwingt ein neues Gleichgewicht: Unsere Körper müssen sich an die Verlängerung einzelner Sinne oder Körperteile anpassen und eine neue Balance finden. Dies betrifft vor allem das Zusammenspiel der Sinne, die durch externe Stimuli jeweils anders beansprucht werden: Isst man einen Apfel, schmeckt man das Fruchtfleisch, ertastet seine Konsistenz mit Zähnen und Zunge, fühlt seine glatte Schale an den Händen, sieht seine runde Form und Farbigkeit und riecht das süßliche Aroma. Das Zusammenspiel der Sinne ist beim Apfelessen anders als beim Küssen, Duschen oder Autofahren – es verändert sich entsprechend den äußeren Reizen. Auch jede neue Technik, jedes neue Medium ist ein neuer Reiz, der mal nur einen Sinn, mal verschiedene Sinne gleichzeitig anspricht, jedoch immer in einem anderen ›Mischungsverhältnis‹.<br />
Um dieses Interplay of Senses besser verständlich zu machen, vergleicht Marshall McLuhan die menschlichen Sinne mit Farben: Farbempfindungen sind immer hundertprozentig. Wir sehen Orange, Grün oder Gelb unabhängig von den Komponenten bzw. den tatsächlichen Farbzusammensetzungen, die unendlich variieren können. Und unabhängig vom Mischverhältnis, egal, ob mehr Rot oder mehr Blau, kommt am Ende immer genau eine Farbe heraus – und nicht etwa ein Regenbogen. Farbmischungen ergeben sich immer aus den ihnen zugrunde liegenden Farbkomponenten, könnte man sagen. Diese sind im Endeffekt aber nicht mehr einzeln identifizierbar. Auch Sinne ergeben in ihrem Zusammenspiel immer eine Empfindung, eine Wahrnehmung. Neue Sinnesreize, von Medien ausgelöst, verändern entsprechend unsere Wahrnehmung und unser Bewusstsein als Ganzes und erweitern sie nicht nur in einem extensiven Sinne. Einen Brief mit Füller auf Papier zu schreiben ist ein anderes Sinneserlebnis, fordert ein anderes Zusammenspiel der Sinne, als beispielsweise eine E-Mail am Computer zu verfassen.</p>
<h3>Im Kino verbrannt – am Telefon erfroren</h3>
<p>Je nachdem wie Medien unsere Sinne aktivieren bzw. erweitern, teilt McLuhan sie in Kategorien ›heiß‹ und ›kalt‹ ein. Ein heißes Medium ist eines, das nur einen Sinn allein erweitert – diesen aber in solch einem Maße, dass er quasi ›heißläuft‹. Photographien aktivieren nach McLuhan beispielsweise durch viele optische Reize unseren Sehsinn extrem, das Radio beansprucht durch eine unerschöpfliche Fülle an Tönen ausschließlich unser Gehör, beide sind somit heiße Medien. Kalte Medien hingegen sind detailarm. Sie bieten den einzelnen Sinnen nur wenige Informationen, die deshalb vom Menschen vervollständigt werden müssen: Am Telefon etwa bekommt das Ohr nur wenige Informationen und eine Karikatur bietet dem Auge nur wenige optische Details. Kühle Medien verlangen also in hohem Maße persönliche Beteiligung oder Vervollständigung. Heiße Medien dagegen erfordern nur wenig Beteiligung. Deshalb kann man im Kino beispielsweise so schön abschalten, in die wohlige ›Wärme‹ eines Films eintauchen und sich, wie man es oft formuliert, ›berieseln‹ lassen.</p>
<div class="bookzitat">»Der Grundsatz, nach dem sich heiße und kalte Medien unterscheiden, kommt genau in der Volksweisheit: ›Mein letzter Wille, eine Frau mit Brille‹ zum Ausdruck. Gläser verstärken das nach außen gerichtete Sehen und zeichnen das weibliche Imago überdeutlich, wenn ›sie‹ auch Marion heißt und Bibliothekarin ist. Sonnenbrillen andererseits erzeugen das undurchschaubare und unnahbare Vorstellungsbild, das sehr stark zur aktiven Teilnahme und Vervollständigung einlädt.« McLuhan, <em>Die magischen Kanäle</em>, S. 46.</div>
<p>Diese heißkalte Differenz McLuhans lässt sich allerdings nicht immer aufrechterhalten. Man denke nur an eine extrem detaillierte, filigran gezeichnete Karikatur oder ein verschwommenes Photo. McLuhans Typologisierung der Medien mag zwar, was bestimmte Medien und ihre Wirkung auf die menschlichen Sinne betrifft, tendenziell sinnvoll sein, aber eine definitive Temperaturzuschreibung scheint oft schwierig. Vielmehr sind die Kategorien ›heiß‹ und ›kalt‹ dazu dienlich, bestimmte Medien miteinander zu vergleichen und voneinander abzugrenzen. Nicht zu vergessen ist deshalb McLuhans Hinweis darauf, dass »kein Medium Sinn oder Sein aus sich allein hat, sondern nur aus der ständigen Wechselwirkung mit anderen Medien«.</p>
<div class="bookzitat">(McLuhan, <em>Die magischen Kanäle</em>, S. 39.) Ein und dasselbe Medium kann – je nachdem, in welchen Gesellschaftsstrukturen und im Zusammenspiel mit welchen anderen Medien es zum Einsatz kommt – auch anders ›wirken‹. »Dennoch ist es etwas ganz anderes, ob ein heißes Medium in einer heißen oder einer kühlen Zivilisation eingesetzt wird. Das heiße Medium Radio hat, wenn es in einer kühlen oder nichtalphabetischen Kultur verwendet wird, aufpeitschende Wirkung, ganz anders als sagen wir in England oder Amerika, wo man das Radio als Unterhaltung auffaßt.« McLuhan, <em>Die magischen Kanäle</em>, S. 45.</div>
<div class="bookpfeil">Mehr zur ›heißkalten‹ Differenzierung von Medien: McLuhan, <em>Die magischen Kanäle</em>, darin die Kapitel <em>Heiße Medien und kalte</em>, S. 35–47 und <em>Die Umkehrung des überheizten Mediums</em>, S. 48–56.</div>
<p>Grundsätzlich ist McLuhan jedoch der Meinung, dass heiße Medien durch ihre Intensität und ihren Detailreichtum eher Spezialisierung hervorrufen als kalte Medien. Als Beispiel nennt er etwa das ›heiße‹, visuell intensive phonetische Alphabet, das sich, im Gegensatz zur ›kühlen‹ hieroglyphischen Schrift, im Buchdruck auslagerte. An dieser Stelle zeigt sich auch exemplarisch, inwieweit ein heißes Medium, das einen vereinzelten Sinn zur sprichwörtlichen Weißglut treibt, in einer Veränderung innerhalb der Gesellschaft mündet, und zwar durch Auslagerung in eine neue Technik, in ein neues Medium. Der Mensch kann sinnliche Reize eben nur in ›abgekühlter‹ Form verdauen.</p>
<div class="bookzitat">»Die Freudsche ›Zensur‹ ist weniger eine moralische Funktion als eine unbedingt notwendige Bedingung der Erfahrung. Wenn wir jeden Schock in unsere verschiedenen Bewußtseinsbezirke direkt und im vollen Umfang aufnehmen müßten, wären wir bald Nervenbündel mit Spätzündung, die jeden Augenblick den Bedienungsknopf für den Schleudersitz betätigten.« McLuhan, <em>Die magischen Kanäle</em>, S. 37.</div>
<p>Für McLuhan steht deshalb fest, dass die Weise, wie der Mensch mit der Welt in Verbindung steht, wie er sie wahrnimmt und wie er sich selbst in ihr wahrnimmt, von den Medien abhängt, die ihm zur Verfügung stehen.</p>
<div class="bookzitat">»Medien sind mehr als Techniken: Sie gleichen kompletten Milieus, die uns umhüllen, in denen wir uns bewegen, die uns prägen und die wir, gleich einer zweiten Haut, nicht abzustreifen vermögen.« Mersch, <em>Medientheorien</em>, S. 108.</div>
<p>Sinnlich wie umgangstechnisch wird der Mensch von Medien konditioniert und von ihnen zu bestimmten Verhaltensweisen bzw. Reaktionen nahezu ›provoziert‹. Das mag für manche reichlich deterministisch klingen, fühlt man sich doch als Herr seiner Sinne und Handlungen, leuchtet aber ein, wenn man sich vor Augen führt, dass der Mensch im McLuhan’schen Sinne seinen Apparaten ausgeliefert ist. Etwas salopp könnte man also sagen, dass Medien dem Menschen Probleme bescheren, die er ohne sie nicht hätte. Oder versöhnlicher: Medien schaffen (neue) Möglichkeits- und Wahrnehmungshorizonte.</p>
<h3>Wie die Zeit vergeht mit Medien</h3>
<p>So lässt sich im Laufe der Geschichte nachvollziehen, wie Medien die Welt in ihrer Form und die Gesellschaft in ihrem Verhalten, in ihrem Denken und ihrem Wissen beeinflusst und determiniert haben. McLuhan teilt die Geschichte dementsprechend in vier Epochen ein, die jeweils von einem bestimmten Leitmedium eingeläutet bzw. geprägt worden sind.</p>
<div class="bookzitat">»Die Aufspaltung der Sinnesanlagen, die sich aus der technischen Erweiterung oder Hinausstellung des einen und anderen Sinnes ergab, ist ein dermaßen alles durchdringender Grundzug des vergangenen Jahrhunderts, daß wir uns heute zum erstenmal in der Geschichte bewußt geworden sind, wie diese Kulturumformungen ausgelöst werden. Wer zum erstenmal den Einbruch einer neuen Technik erlebt – handle es sich um das Alphabet oder das Radio –, reagiert auf äußerst lebhafte Weise, weil die neuen Sinnesverhältnisse, die von der technischen Erweiterung des Auges oder Ohres geschaffen werden, den Menschen vor eine überraschende neue Welt stellen, die eine nachhaltige ›Schließung‹ oder ein neuartiges Muster des Wechselspiels zwischen allen Sinnen hervorruft.« McLuhan, Marshall, <em>Die Gutenberg-Galaxis. Das Ende des Buchzeitalters</em>, Bonn 1995 (1962), S. 27 f.</div>
<p>In der oralen Kultur, die bis zum 5. Jahrhundert v.Chr. andauerte, war das Ohr das wichtigste Sinnesorgan. Jeder Austausch, jede Kommunikation fand verbal statt. Das Medium ›Sprache‹ setzte die Möglichkeiten und Grenzen einer Gesellschaft fest.<br />
Diese Epoche wurde von der literalen Manuskript-Kultur abgelöst, die die Schrift mit sich brachte und bis zum 15. Jahrhundert anhielt. Die Schrift und insbesondere das phonetische Alphabet zerschlugen das Monopol des Hörsinns durch die Einbeziehung des Sehsinns. Die Menschen nahmen nun anders wahr, Informationen konnten auch visuell übermittelt werden und die Schrift machte es den Menschen einfacher, Regel- und Gesetzmäßigkeiten zu erkennen. Dies kam einer grundlegenden Veränderung der Menschen und ihrer Beziehungen untereinander gleich.<br />
Jenes Zeitalter der literalen Manuskript-Kultur wurde im 15. Jahrhundert wiederum vom Buchdruck revolutioniert und in die von McLuhan <em>Gutenberg-Galaxis</em> getaufte Epoche überführt: Durch die Typographie, nach McLuhan die wahrscheinlich erste Mechanisierung einer Handfertigkeit, wurde nicht nur erstmals eine uniforme Massenproduktion und -distribution von Geschriebenem möglich, sie zog auch eine weitere Konzentration auf den Sehsinn nach sich. Die Mechanisierung der Schreibkunst bewirkte eine Homogenisierung visueller Wahrnehmungen.<br />
Dieser neue Typ der monopolistischen Sinneswahrnehmung wurde schließlich im 20. Jahrhundert mit der Verbreitung der Elektrizität erschüttert: Das elektrische Netz</p>
<div class="bookzitat">»The Computer is by all odds the most extraordinary of all the technological clothing ever devised by man, since it is the extension of our central nervous system. Beside it, the wheel is a mere hula-hoop [...].« McLuhan, Marshall/Fiore, Quentin/Agel, Jermone, <em>War and Peace in the Global Village</em>, San Francisco 1997 (1968), S. 35.</div>
<p>stellt für McLuhan das nach außen verlagerte zentrale Nervensystem dar. Es verbindet alle daran angeschlossenen Einheiten und schafft auf diese Weise einen umfassenden Zusammenhang in der Welt, an dem jeder beteiligt ist. Die Welt schrumpft zum Dorf, zum <em>Global Village</em>, zusammen.</p>
<div class="bookzitat">»Nach dreitausend Jahren der Explosion des Spezialistentums durch die technischen Ausweitungen unseres Körpers wirkt unsere Welt nun in einer gegenläufigen Entwicklung komprimierend. Elektrisch zusammengezogen ist die Welt nur mehr ein Dorf.« McLuhan, <em>Die magischen Kanäle</em>, S. 13.</div>
<p>Das zuvor herrschende Monopol des Auges wird zerschlagen und die Menschheit befindet sich nun in einer veränderten Wahrnehmungssituation, bei der auch andere Sinne wieder aktiv werden.</p>
<h3>Ein Medium ist ein Medium ist ein Medium</h3>
<p>Die ›neuen Leitmedien‹ verdrängen im Laufe dieser Entwicklung ihre Vorgänger aber nicht, sie komplettieren, erweitern und verändern diese vielmehr. Der Inhalt eines Mediums ist deshalb immer ein anderes Medium. Ein Medium schließt immer ein anderes, meist vorhergehendes Medium ein: Der Inhalt einer SMS ist die Schrift, der Inhalt der Schrift ist die Sprache, der Inhalt der Sprache sind, laut McLuhan, die Gedanken.</p>
<div class="bookzitat">»Auf die Frage: ›Was ist der Inhalt der Sprache?‹ muß man antworten: ›Es ist ein effektiver Denkvorgang, der an sich nicht verbal ist.‹« McLuhan, <em>Die magischen Kanäle</em>, S. 18.</div>
<p>Man kann in der Geschichte der Medien deshalb nicht wirklich von Brüchen zwischen aufeinander folgenden Medien sprechen oder von totalen Gegensätzen. Sie verweisen aufeinander. Daher versteht McLuhan die Geschichte als eine ständige Weiterentwicklung und Erneuerung von Medien, die gewisse Veränderungen für die Menschen nach sich ziehen, sowohl auf individuellpsychologischer als auch auf gesamtgesellschaftlicher Ebene.</p>
<div class="bookpfeil">Von Medienrevolutionen und dem Menschlichen in der Technik handelt übrigens auch <em>Du bist Wissensgesellschaft</em>.</div>
<h3>The medium is the message</h3>
<p>Medien sind also nicht nur Externalisierungen des menschlichen Körpers, sie verändern vielmehr die Situation des Menschen. Die Entscheidung, ob etwas ein Medium ist oder nicht, trifft McLuhan demnach nicht anhand der Materialität, der Funktion oder des Inhalts dieses Etwas, sondern anhand seiner Wirkung auf die Gesellschaft und die Menschen.</p>
<div class="bookzitat">»›Der Sinn einer Botschaft ist die Veränderung, die sie in einem Vorstellungsbild hervorruft.‹ Größeres Interesse an der Wirkung als an der Bedeutung ist eine der grundlegenden Veränderungen unseres Zeitalters der Elektrizität; denn die Wirkung bezieht die Gesamtsituation und nicht nur eine Ebene der Informationsbewegung mit ein.« McLuhan, <em>Die magischen Kanäle</em>, S. 40.</div>
<p>Somit ist es nicht wichtig, was genau über das Telefon besprochen wird, welche Sendung nun im Fernsehen läuft oder, wie McLuhan selbst sagt, ob eine Maschine Cornflakes oder Cadillacs produziert. Entscheidend sind die neuen Möglichkeiten, die ein Medium dem Menschen eröffnet, die Art, wie es Verhalten und Sinneswahrnehmungen prägt und den Fortgang der Gesellschaft in eine ganz bestimmte Richtung dirigiert. Diese Qualitäten oder Fähigkeiten sind es, die ein Medium ausmachen, sie sind seine eigentliche Botschaft, ganz unabhängig von seinen Inhalten. <em>The medium is the message</em>.</p>
<div class="bookpfeil">McLuhan, <em>Die magischen Kanäle</em>, insbesondere das Kapitel <em>Das Medium ist die Botschaft</em>, S. 17–34.</div>
<p>Das elektrische Licht, so McLuhan, illustriert diesen dogmatischen Satz, der zu einem der Slogans der Medientheorie geworden ist, am eingängigsten: Es ist vollkommen gleichgültig, ob Licht bei einem gehirnchirurgischen Eingriff oder einem nächtlichen Baseballspiel verwendet wird. Dadurch, dass das Medium ›elektrisches Licht‹ quasi inhaltslos ist und folglich für eine unendliche Anzahl von Dingen genutzt werden kann, zeigt es deutlich, dass die Botschaft eines Mediums nicht sein Inhalt ist, sondern die Art, wie es das menschliche Zusammenleben gestaltet. Dieser weite Möglichkeitshorizont, den die Medien bieten, hat aber seine Grenzen, denn der Inhalt eines Mediums ist auch immer geprägt durch dessen Rahmenbedingungen. Es ist egal, ob man ein Handy für wichtige Geschäftsanrufe, Notfälle oder belanglosen Plausch nutzt. Wichtig ist, dass man telefonieren kann, wo und wann man will.<br />
Um also die wahre Botschaft eines Mediums erkennen zu können, muss man sich losmachen von dessen Inhalten. Man muss sich darauf konzentrieren, wie ein Medium das menschliche Zusammenleben verändert und steuert. Eine Beachtung seiner Inhalte macht gegenüber der Wesensart des Mediums nur blind. McLuhan ist sich also der Schwierigkeit dieses Unterfangens bewusst – und sieht doch eine Möglichkeit, den Lockrufen der Medieninhalte zu widerstehen.</p>
<div class="bookzitat">»Denn jedes Medium hat die Macht, seine eigenen Postulate dem Ahnungslosen aufzuzwingen. Voraussage und Steuerung bestehen darin, diesen unterschwelligen narzißtischen Trancezustand zu vermeiden. Aber am meisten hilft in diesem Fall einfach die Erkenntnis, daß der Zauber sofort nach Kontaktaufnahme, wie bei den ersten Takten einer Melodie, wirken kann.«<br />
»Denn der ›Inhalt‹ eines Mediums ist mit dem saftigen Stück Fleisch vergleichbar, das der Einbrecher mit sich führt, um die Aufmerksamkeit des Wachhundes abzulenken.« McLuhan, <em>Die magischen Kanäle</em>, S. 26 und S. 29.</div>
<p>Wer dennoch denkt, dass es bei den Medien darauf ankomme, wie man sie verwendet, bleibt für McLuhan in der Haltung eines technischen Dummkopfes gefangen. Auweia!</p>
<p>So ganz unwichtig ist der ›Inhalt‹ eines Mediums dann aber doch nicht, schließlich wird dieser durch seine Form mitbestimmt und spiegelt damit das Wesen des Mediums sehr wohl ein Stück weit wider. Im Falle eines Telefonats zum Beispiel, egal ob Handy oder Festnetz, wird der Inhalt wohl akustischer Natur sein, im Falle von SMS und MMS besteht der Inhalt aus Text oder aus Bildern. Ein Duft jedoch wird es wohl kaum sein, den man verschickt oder ›erzählt‹. <em>The medium is the message</em> also auch im Sinne des sich in seine Inhalte eingravierenden Mediums. Haben vorhergehende Mediendefinitionen Medien als neutrale Durchgangsstationen gewertet, die Inhalte schlicht weitergeben, ohne sich in sie einzuschreiben,</p>
<div class="bookpfeil">So z.B. Fritz Heider. Seine Sicht der Dinge und Medien in <em>Alles Medium oder was</em>.</div>
<p>wird nun deutlich, dass Medien mittels ihrer Inhalte auch immer auf ihre materiellen Eigenschaften und Bedingungen verweisen. Medien machen sich in ihren Inhalten bemerkbar, lassen sich aber weder auf ihre Einschreibekraft noch durch ihre Fähigkeit, Dinge oder Inhalte zu übertragen oder zu speichern, reduzieren. Es sind die Effekte der Medien, die sie in erster Linie auszeichnen, die persönlichen und sozialen Auswirkungen, die sie hervorrufen, und nicht deren Formen oder Inhalte.</p>
<div class="bookzitat">»Denn die ›Botschaft‹ jedes Mediums oder jeder Technik ist die Veränderung des Maßstabs, Tempos oder Schemas, die es der Situation des Menschen bringt.« McLuhan, <em>Die magischen Kanäle</em>, S. 18.</div>
<p>Indem McLuhan bei der Definition von Medien ihre Inhalte ›ignoriert‹, leitet er eine völlig neue Denkweise über und um Medien ein. Nicht was sie übertragen, vermitteln, speichern, zählt, sondern wie sie es tun. Ihre Logik, ihre Kraft, das menschliche Zusammenleben zu gestalten und zu steuern, wird entscheidend.<br />
Und obschon manche Überlegungen McLuhans durch die Entwicklung der Medien und der Technik seit den 1950er Jahren überholt scheinen, stellen Medienwissenschaftler immer wieder fest, dass sich nachfolgende Medientheorien nach wie vor aus dem weiten McLuhan’schen Fundus bedienen, dessen Pionierarbeiten zum Thema Medien damit immer noch aktuell sind. Ein Gründervater, der immer noch Pate steht.</p>
<h3>Nun zu dir, Marshall</h3>
<p>Doch auch hier gilt wieder einmal, es ist nicht alles Gold was glänzt, und so musste Marshall McLuhan damals wie heute jede Menge Kritik einstecken: Seine Theoriearbeit sei reduktionistisch, nicht fundiert und überhaupt sehr unwissenschaftlich aufgebaut, er sei ein Bauchredner und Wirrkopf und sein extrem offener bzw. essayistischer Schreibstil wissenschaftlich gesehen eine absolute Unzulänglichkeit.</p>
<div class="bookpfeil">Mehr zu den verbalen Maulschellen an McLuhan, insbesondere jenen, die Hans Magnus Enzensberger austeilte, verrät Rainer Leschke in <em>Das Entstehen der Medienontologie aus dem Akt der Interpretation. Marshall McLuhan</em>. Leschke, Rainer, <em>Einführung in die Medientheorie</em>, München 2003, S. 245–257, hier S. 253 f.</div>
<p>Aber in genau dieser Offenheit seiner Theoriearbeit liegt die Stärke McLuhans. Denn anschlussfähig werden seine Thesen gerade durch seinen überraschend anderen, den Leser zum Denken anregenden Stil: Jeder kann und soll mitdenken, sich selber ein Urteil bilden, gewisse Behauptungen annehmen oder ablehnen – das ist die konsequente Weiterführung seiner Verkündung vom Ende der Gutenberg-Ära. Denn sollte sich im heutigen Zeitalter der Elektrizität tatsächlich jede Wahrnehmung und jedes Denken neu strukturieren, muss auch die Wissenschaft neue Wege beschreiten und ›klassische Methoden‹ in Frage stellen. McLuhans Schreibstil wäre damit nichts anderes als die konsequente Umsetzung seiner wissenschaftlichen Thesen!</p>
<p>McLuhan würde die bis heute andauernden Diskussionen um seine Theorien womöglich mit einem Lächeln verfolgen, war er doch der Meinung, dass man klassisches, ausgrenzendes Denken nur überwinden könne, wenn man daran Kritik übe und so die Grenzen der eigenen Voraussetzungen überschreite. Auch sich selber hielt er nach eigener Aussage nicht für unantastbar und wäre gerne bereit gewesen, seine Meinung über Bord zu werfen, sobald er gemerkt hätte, dass sie ihn der Lösung eines Problems nicht näher bringt oder ihm jemand ein besseres Argument lieferte.</p>
<div class="bookzitat">McLuhan, Marshall, <em>Das Medium ist die Botschaft. The Medium is the Message</em>, hg. von Baltes, Martin/Boehler, Fritz/Höltschl, Rainer/Reuß, Jürgen, Dresden 2001, S. 80 f.</div>
<p>In diesem Sinne: Irgendwelche Einwürfe oder Kommentare?</p>
<p><strong>Zum Nach- und Weiterlesen:</strong><br />
<strong>McLuhan, Marshall</strong>, Die Gutenberg-Galaxis. Das Ende des Buchzeitalters, Bonn 1995 (1962).<br />
<strong>McLuhan, Marshall</strong>, Die magischen Kanäle. Understanding Media, Düsseldorf 1992 (1964).<br />
<strong>McLuhan, Marshall/Fiore, Quentin/Agel, Jermone</strong>, War and Peace in the Global Village, San Francisco 1997 (1968).</p>
<p><strong>Apropos Prothesentheorie:<br />
Freud, Sigmund</strong>, Das Unbehagen in der Kultur und andere kulturtheoretische Schriften, Frankfurt a.M. 2000 (1930).<br />
<strong>Kapp, Ernst</strong>, Grundlinien einer Philosophie der Technik, Düsseldorf 1978 (1877).</p>
<p>Dieser Text stammt aus dem Buch <a href="http://mediendenken.de/buch">Was mit Medien. Theorie in 15 Sachgeschichten</a></p>
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		<title>2.3 Der Mythos Latte macchiato</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Jun 2008 17:30:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nadine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Buch]]></category>
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		<description><![CDATA[Auf einen semiotischen Kaffee mit Roland Barthes
Seit wann kann man eigentlich keinen normalen Kaffee mehr trinken? Nach Espresso und Cappuccino hat ja seit geraumer Zeit ein regelrechtes Latte-macchiato-Fieber das neue Genießerdeutschland gepackt. Kaum einer, der sich der Köstlichkeit aus Italien noch entziehen kann oder will. Der gemeine Deutsche hat die Nase scheinbar voll von der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Auf einen semiotischen Kaffee mit Roland Barthes</h2>
<p>Seit wann kann man eigentlich keinen normalen Kaffee mehr trinken? Nach Espresso und Cappuccino hat ja seit geraumer Zeit ein regelrechtes Latte-macchiato-Fieber das neue Genießerdeutschland gepackt. Kaum einer, der sich der Köstlichkeit aus Italien noch entziehen kann oder will. Der gemeine Deutsche hat die Nase scheinbar voll von der schnöden Tasse Kaffee. Espresso stellt für das Gros keine Alternative dar, weil zu stark, und Cappuccino ist 90er und damit raus.<span id="more-1030"></span></p>
<p>Einen neuen Kaffeeschmaus braucht das Land und bekommt ihn auch prompt serviert – und zwar nicht in einer gewöhnlichen Tasse, sondern in einem dickwandigen Glas. In dieses wird erst heiße aufgeschäumte Milch gegeben und anschließend ein einfacher oder doppelter Espresso behutsam zugegossen. Alte Zutaten, neues Design, denn durch die unterschiedlichen Dichten von Milch, Schaum und Espresso erhält man ein dreischichtiges, schmackhaftes Kaffeegetränk, das auch optisch etwas hermacht. Nicht ohne Grund muss sich die verschmähte Tasse Kaffee da fragen: Was hat der, was ich nicht habe?</p>
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<p>Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch <a href="http://mediendenken.de/buch/">Was mit Medien. Theorie in 15 Sachgeschichten</a>.</p>
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		<title>3.2 Fragmente einer Geschichte des Löschens</title>
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		<pubDate>Sat, 01 Mar 2008 02:58:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nadine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Buch]]></category>
		<category><![CDATA[Freud]]></category>
		<category><![CDATA[Platon]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Hoch auf das Vergessen mit Platon und Sigmund Freud
1.    Briefe zur Post
2.    Schuster
3.    Ebay-Überweisung
4.    Einwohnermeldeamt
5.    Zahnpasta, Klopapier, Duschgel
6.    Mama anrufen
Was man nicht im Kopf hat, steckt meist in der Hosentasche – und zwar in Form kleiner [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Ein Hoch auf das Vergessen mit Platon und Sigmund Freud</h2>
<p>1.    Briefe zur Post<br />
<span style="text-decoration: line-through;">2.    Schuster</span><br />
3.    Ebay-Überweisung<br />
4.    Einwohnermeldeamt<br />
<span style="text-decoration: line-through;">5.    Zahnpasta, Klopapier, Duschgel</span><br />
6.    Mama anrufen<span id="more-1032"></span></p>
<p>Was man nicht im Kopf hat, steckt meist in der Hosentasche – und zwar in Form kleiner to-do-Listen, die dem Gedächtnis auf die Sprünge helfen, wenn es zu versagen droht. Ein jeder kann sich auf diese Weise die persönlichen Erinnerungs-Lasten im wahrsten Sinne des Wortes von der Seele schreiben und seine Merk-Zettelchen nebst Erinnerungsfunktionen im Handy oder gar Notizen auf dem Handrücken für das imperative ›Daran-Denken‹ verantwortlich machen.<br />
Möglich gemacht hat das die Schrift, die ultimative Technik der Entäußerung unseres Gedächtnisses.</p>
<div class="bookpfeil">Etwas extravagantere Gedächtnishilfen waren die sogenannten ›Graeculi‹: römische Sklaven griechischer Abstammung, die über ein hervorragendes Gedächtnis verfügten und ihre Besitzer unterstützten, »indem sie für diese Wissenswertes [...] einprägten und ihnen bei Bedarf vorsagten«. Schönpflug, Wolfgang, <em>Eigenes und fremdes Gedächtnis. Zur Rolle von Medien in Erweiterten Gedächtnissystemen</em>, in: Koch, Peter/Krämer, Sybille (Hg.), <em>Schrift, Medien, Kognition. Über die Exteriorität des Geistes</em>, Tübingen 1997, S. 196–185, hier S. 170.</div>
<p>Durch sie erfahren unsere Gedanken eine visuell wahrnehmbare Form (etwa im Alphabet), eine Ortsgebundenheit (etwa auf Papier), und können so der verblassenden Kraft der Zeit trotzen. Gedanken und Sprache werden durch Schrift fixiert.</p>
<div class="bookpfeil">»Nicht so schnell!«, wird der geübte Medientheoretiker an dieser Stelle einwenden. Denn die These, dass die Schrift die Sprache fixiere, ist keinesfalls allseitig akzeptiert. Jacques Derrida ist einer ihrer populärsten Gegner – und widerspricht damit etwa de Saussures Hierarchisierung vom übergeordneten Signifikat (Sinn)und nachgeordneten Signifikanten (z.B. Schrift). Pfeil: De Saussures Stellungnahme zu diesen signifikanten Zeichen-Angelegenheiten in <em>Der Mythos Latte macchiato</em>; Derridas Sicht der Dinge in: Derrida, Jacques, <em>Grammatologie</em>, Frankfurt a.M. 1998.]</div>
<p>&#8230;</p>
<p>Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch <a href="http://mediendenken.de/buch/">Was mit Medien. Theorie in 15 Sachgeschichten.</a></p>
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		<title>4.1 In die Disco mit Adorno</title>
		<link>http://mediendenken.de/2008/02/41-in-die-disco-mit-adorno/</link>
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		<pubDate>Fri, 01 Feb 2008 03:21:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nadine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Das Buch]]></category>
		<category><![CDATA[Adorno]]></category>

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		<description><![CDATA[Kritische Theorie in the mix
Die Luft in der Diskothek ist schwer. Gesättigt von Zigarettenqualm, schwitzig getanzten Menschen und dem süßlichen Duft von Wodka-Orange. Mittendrin zwei gequält dreinblickende Gestalten – sichtlich angestrengt. Die Musik dröhnt: »Hölle, Hölle, Hölle«.
Begleiter: Oje, dass die hier so eine Musik spielen, habe ich nicht gewusst &#8230; oder magst du Schlager etwa?
Adorno: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Kritische Theorie in the mix</h2>
<p>Die Luft in der Diskothek ist schwer. Gesättigt von Zigarettenqualm, schwitzig getanzten Menschen und dem süßlichen Duft von Wodka-Orange. Mittendrin zwei gequält dreinblickende Gestalten – sichtlich angestrengt. Die Musik dröhnt: »Hölle, Hölle, Hölle«.<span id="more-1031"></span></p>
<p><em>Begleiter:</em> Oje, dass die hier so eine Musik spielen, habe ich nicht gewusst &#8230; oder magst du Schlager etwa?</p>
<p><em>Adorno:</em> »Sucht man [...] auszufinden, wem ein marktgängiger Schlager ›gefalle‹, so kann man sich des Verdachtes nicht erwehren, daß Gefallen und Mißfallen dem Tatbestand unangemessen sind, mag immer der Befragte seine Reaktionen in jene Worte kleiden. Die Bekanntheit des Schlagers setzt sich an Stelle des ihm zugesprochenen Wertes: ihn mögen, ist fast geradeswegs dasselbe wie ihn wieder erkennen.« (FM, S. 14 f.)</p>
<p><em>Begleiter:</em> Aber jeder hat doch einen ganz persönlichen Musikgeschmack, der nicht mit etwaigen Hitlisten konform gehen muss…</p>
<p><em>Adorno:</em> »Der Begriff des Geschmacks selber ist überholt. Die verantwortliche Kunst richtet sich an Kriterien aus, die der Erkenntnis nahekommen: des Stimmigen und Unstimmigen, des Richtigen und Falschen. Sonst aber wird nicht mehr gewählt; die Frage wird nicht mehr gestellt, und keiner verlangt die subjektive Rechtfertigung der Konvention.« (FM, S. 14)</p>
<p><em>Begleiter:</em> Was genau meinst du damit?</p>
<p><em>Adorno:</em> »[Die Industrie] betreibt den Schematismus als ersten Dienst am Kunden (KI, S. 132). Es ist, als hätte eine allgegenwärtige Instanz das Material gesichtet und den maßgebenden Katalog der kulturellen Güter aufgestellt, der die lieferbaren Serien bündig aufführt.« (KI, S. 143) »[E]inem Schlager [beispielsweise] wird heute eher nachgesehen, wenn er sich nicht an die 32 Takte oder den Umfang der None [Klammer: Als None (von nonus [lat.]: der Neunte) bezeichnet man in der Musik den neunten Ton einer diatonischen Tonleiter oder ein Intervall, das neun Tonstufen umfasst.] hält, als wenn er das geheimste melodische oder harmonische Detail bringt, das aus dem Idiom</p>
<div class="bookklammer">Ein Idiom (von idíoma [griech.]: Eigenart) ist eine für einen Einzelnen oder eine bestimmte Gruppe typische Eigenart der Sprechweise, z.B. Mundart oder Jargon.</div>
<p>herausfällt.« (KI, S. 137) »Die ganze Welt wird durch das Filter der Kulturindustrie</p>
<div class="bookklammer">Den Begriff der Kulturindustrie verwenden Theodor W. Adorno und Max Horkheimer in ihrer Dialektik der Aufklärung im Grunde genommen für das, was sie zuvor als Massenkultur bezeichnet haben. Sie entscheiden sich aber gegen den Begriff der Massenkultur, weil dieser impliziert, dass es sich dabei »um etwas wie spontan aus den Massen selbst aufsteigende Kultur handele«. Der Begriff der Kulturindustrie hingegen unterstreicht, dass »Produkte mehr oder minder planvoll hergestellt« werden, »die auf den Konsum durch Massen zugeschnitten sind und in weitem Maß diesen Konsum von sich aus bestimmen«. Adorno, Theodor W., Résumé über Kulturindustrie, S. 337. geleitet.« (KI, S. 134)</div>
<p>geleitet.« (KI, S. 134)</p>
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<p>Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch <a href="http://mediendenken.de/buch/">Was mit Medien. Theorie in 15 Sachgeschichten</a>.</p>
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