<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Mediendenken.de &#187; Sven</title>
	<atom:link href="http://mediendenken.de/author/sven/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://mediendenken.de</link>
	<description>Medientheorie 3.0</description>
	<lastBuildDate>Wed, 16 Jun 2010 06:02:50 +0000</lastBuildDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.9.2</generator>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
			<item>
		<title>Selbstreferentielle Comedy – „Castle“ von ABC</title>
		<link>http://mediendenken.de/2009/06/selbstreferentielle-comedy-%e2%80%93-%e2%80%9ecastle%e2%80%9c-von-abc/</link>
		<comments>http://mediendenken.de/2009/06/selbstreferentielle-comedy-%e2%80%93-%e2%80%9ecastle%e2%80%9c-von-abc/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 09 Jun 2009 13:51:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sven</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alles]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://mediendenken.de/?p=2190</guid>
		<description><![CDATA[In der neuen Serie „Castle“ von ABC (IMDB Link hier) verbinden sich mehrere Formate, die man normalerweise nicht miteinander in Verbindung bringen würde: Crime, Comedy und Sitcom. Ein erfolgreicher, populärkultureller Autor (Richard Castle, gespielt von Nathan Fillion) und eine Polizistin beim Morddezernat des NYPD (Kate Beckett, gespielt von Stana Katic), bilden das unwahrscheinliche Duo, das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der neuen Serie „Castle“ von ABC (IMDB Link <a href="http://www.imdb.com/title/tt1219024/">hier</a>) verbinden sich mehrere Formate, die man normalerweise nicht miteinander in Verbindung bringen würde: Crime, Comedy und Sitcom. Ein erfolgreicher, populärkultureller Autor (Richard Castle, gespielt von <a href="http://www.imdb.com/name/nm0277213/">Nathan Fillion</a>) und eine Polizistin beim Morddezernat des NYPD (Kate Beckett, gespielt von <a href="http://www.imdb.com/name/nm1065664/">Stana Katic</a>), bilden das unwahrscheinliche Duo, das mit vereinten Kräften genauso unwahrscheinliche Mordfälle aufklärt.<br />
So weit, so durchschnittlich. Doch was das Flair der Serie ausmacht ist nicht nur das extrem schnelle und auf Wortwitz getrimmte Scripting, sondern die mit viel Druck und schneller Musik vorangetriebene Montage. Schnelle Schnitte, schnelle Musik und mindestens drei Plot-Twists pro Folge, geben der Serie das Gefühl eines makabren Karnevals, der leicht außer Kontrolle geraten ist. Nicht nur die Morde, die dafür verantwortlich sein werden, dass „Castle“ diesen Herbst im späten 22h Slot (Eastern Time) zurückkehrt, sondern auch die zunehmend liebevollen Zankereien der beiden Protagonisten sorgen dafür, dass die Serie als guter Vertreter der seichteren Unterhaltungssparte einen erneuten Platz in der Senderplanung erhalten hat.<span id="more-2190"></span><br />
Einer der interessanteren Aspekte ist aber vor allem eine basale Selbstreferentialität, die sich wie ein roter Faden durch die Serie zieht: die Spannung zwischen Plot und Story. Denn während Detective Beckett primär daran interessiert ist, indexikalische Ketten von Be- und Verweisen aufzudecken und somit detektivisch die Morde zu lösen, ist der Autor Castle nur am Sensationswert und der Story interessiert, die ihm neues Material für seine Schundromane zur Verfügung stellen. Die ständige Verhandlung von Plot als Story und Story als Plot erzeugt eine merkwürdige Doppelung innerhalb der Serie. Regelmäßig erdichtet sich Castle plausible Lösungsszenarien für die Mordfälle, die dann innerhalb der Handlung verfolgt und geprüft werden. Bereits die Pilotfolge, in der mehrere Morde nach Vorlagen aus seinen Büchern begangen werden, thematisiert dieses Verhältnis von Erzählungen in Erzählungen, die sich ineinander verweben und verschachteln. Das Vergnügen, das die Serie bereitet, lässt sich zu einem großen Teil in genau dieser wechselseitigen Stabilisierung von plausiblen Szenarien finden, die sich als Plot und Story gleichzeitig entwickeln. „But it would make a much better story!“ ist einer der Sätze, die sich als paradigmatisch für Castles ungewöhnliche und unorthodoxe Herangehensweise an die Mordfälle lesen lässt, während Detective Beckett sich auf den Weg macht, um weitere Verdächtige zu verhören. Plot, Story, Montage und Musik arbeiten hier in einer Weise zusammen, die im Sinne Lorenz Engells als „TV-Pop“ zu bezeichnen wäre (der gleichnamige Essay von <a href="http://www.ikkm-weimar.de/personen/mitarbeiterverzeichnis/prm/159/v__d_v/id__40/index.html">Lorenz Engell</a> findet sich in diesem <a href="http://www.amazon.de/Was-ist-Pop-Zehn-Versuche/dp/3596163927/ref=sr_1_8?ie=UTF8&amp;s=books&amp;qid=1244555198&amp;sr=1-8">Buch</a>) und sich ausschließlich als Oberflächenphänomen präsentiert. Gerade dieses Spiel mit verschiedenen und letztendlich oberflächlichen Interpretationen der Handlung, die parallel zu ihr vorangetrieben werden, erzeugt den Effekt einer immer schon zitathaft anmutenden Serie. Schnelles, unterhaltsames und visuell aufgeladenes Fernsehen, das seine eigenen kulturindustriellen Wurzeln an der Oberfläche zur Schau trägt und genau in dieser Feier seiner eigenen Visualität das erreicht, was andere Serien nicht schaffen, da sie versuchen, sich zu ernst zu nehmen. Castle ist ein schönes Beispiel dafür, dass Serien nicht immer die dramatische Tiefe brauchen, die große Serien groß macht („<a href="http://www.imdb.com/title/tt0141842/">The Sopranos</a>“, „<a href="http://www.imdb.com/title/tt0248654/">Six Feet Under</a>“, „<a href="http://www.imdb.com/title/tt0306414/">The Wire</a>“ und „<a href="http://www.imdb.com/title/tt0844441/">True Blood</a>“ wären Beispiele für letzteres), sondern auch dadurch interessant werden, dass sie genau diese Tiefe in der Oberfläche verneinen und im Modus des Wortspiels, der Kinderei oder der Karikatur hervorragend funktionieren können.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://mediendenken.de/2009/06/selbstreferentielle-comedy-%e2%80%93-%e2%80%9ecastle%e2%80%9c-von-abc/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Der Aufstand der Dinge</title>
		<link>http://mediendenken.de/2009/05/der-aufstand-der-dinge/</link>
		<comments>http://mediendenken.de/2009/05/der-aufstand-der-dinge/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 11 May 2009 14:12:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sven</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alles]]></category>
		<category><![CDATA[Cavell]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Fußball]]></category>
		<category><![CDATA[Monitoring]]></category>
		<category><![CDATA[Trinks]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://mediendenken.de/2009/05/der-aufstand-der-dinge/</guid>
		<description><![CDATA[Es war die heiße Phase eines Fußballspiels in der 83. Minute. Uefa-Cup Halbfinale Rückspiel zwischen dem Hamburger SV und Werder Bremen. Der Hamburger Abwehrspieler Michael Gravgaard will den Ball zu seinem Torhüter zurückspielen – und verstolpert… Oder doch nicht? Der Kommentator begleitet wie immer die Bilder mit seinem laufenden Kommentar: „Und Gravgaard guckt entsetzt auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war die heiße Phase eines Fußballspiels in der 83. Minute. Uefa-Cup Halbfinale Rückspiel zwischen dem Hamburger SV und Werder Bremen. Der Hamburger Abwehrspieler Michael Gravgaard will den Ball zu seinem Torhüter zurückspielen – und verstolpert… Oder doch nicht? Der Kommentator begleitet wie immer die Bilder mit seinem laufenden Kommentar: „Und Gravgaard guckt entsetzt auf den sogenannten Rasen. Ja da lag noch irgend was… Irgend was Weißes war da im Weg“. Die Kamera schwenkt auf den kleinen weißen Gegenstand, den Gravgaard bereits mit einem Tritt vom Feld befördert hat. Es ist nicht genau zu erkennen, was da liegt. „Da ist es, das corpus delicti! Sieht aus wie Papier“, lässt der Kommentator erneut verlauten und läutet damit die steile Medienkarriere eines Gegenstandes ein, dem man eine solche nicht zugetraut hätte (den Clip auf YouTube findet Ihr <a href="http://www.youtube.com/watch?v=q7jdLzDrddU&amp;feature=related">hier</a> ). Ehe der nächste Tag zu Ende geht, ist dieser kleine Gegenstand zu großem Ruhm gelangt: schicksalhafter Entscheider, Hassobjekt, Kleinod, Medienkuriosität, Museumsstück und Objekt zahlreicher Fälschungen. Wie kann ein solch unscheinbares Objekt eine derartige Kaskade von Reaktionen auslösen?<span id="more-2182"></span>Die Antwort auf diese Frage lässt sich mit einer Betrachtung des Feldes der Erwartungen beginnen, in dem der kleine Gegenstand auftaucht. Er taucht nämlich im Fernsehen auf. Und nicht nur das, sondern im „live“ Fernsehen einer Fußballübertragung. Dies ist an sich sehr unwahrscheinlich und genau hierin finden wir einen Ansatzpunkt, der uns etwas weiter bringt. Wenn man nämlich das Fernsehen unter dem Aspekt des „Monitoring“ begreift, wie er von Stanley Cavell entwickelt wurde, dann kann man eine Verbindung zwischen Wirklichkeit im Fernsehen und Wahrscheinlichkeit herstellen. Denn dadurch, dass in einer vorherigen Überlegung mehrere Kameras aufgestellt werden, um die televisuellen Ereignisse einzufangen, strukturiert sich die Erwartung von Ereignissen innerhalb dieses Sichtbarkeitsnetzes nach Überlegungen zur Wahrscheinlichkeit. „Wir haben hier einen weiteren Hinweis dafür gefunden, welch besonderes Verhältnis zur Welt sich im Fernsehen ausprägt: in ihm betrachten wir die Wirklichkeit unter dem Gesichtspunkt der Wahrscheinlichkeit“, um es mit den Worten von Jürgen Trinks auszudrücken (zu finden in seinem Buch <a href="http://www.amazon.de/Faszination-Fernsehen-Bedeutung-Weltbezugs-Gegenwart/dp/3631345291/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;s=books&amp;qid=1242051868&amp;sr=1-1">Faszination Fernsehen</a> auf Seite 22). Gerade die Unwahrscheinlichkeit eines solchen unscheinbaren Gegenstandes ist es nun, der ihm zu derartigem Ruhm verholfen hat. Wenn man Kameras aufstellt, die ein bestimmtes Feld mit Sichtbarkeit überziehen, dann weiß man bereits vorher, was man im Normalfall dort zu sehen bekommt. In unserem Fall eines Fußballspiels sind dies der Fußballplatz, 22 Spieler, ein Ball, zwei Tore und zwei Linien- und ein Schiedsrichter – um einmal die wichtigsten Elemente zu nennen. Dennoch ist das nicht allein das, was durch die Kameras eingefangen werden soll. Es geht zwar um darum, diese Konstellation aus Personen und Dingen im Raum ihrer wahrscheinlichen Aktionen sichtbar zu machen, aber das ist ja nur der Hintergrund vor dem sich etwas abzeichnen muss. Die Spieler, das Feld, der Ball und der Schiedsrichter – all diese Elemente sind ständig auf den verschiedenen Monitoren eingefangen und bilden einen Strom von Bildern. Doch das Ereignis ist es, das in seinem unkontrollierten und plötzlichen Auftreten eingefangen werden soll. Beim Fußball sind dies im Normalfall Tore oder Fouls, d.h. auch hier nach Überlegungen der Wahrscheinlichkeit (und somit auch der Statistik) gegliederte Ereignis-Erwartungen. Das ist eben aber auch nicht alles. Denn immer kann auch ein Ereignis eintreten, das nicht erwartet worden war und gerade dann ist es ein wirkliches Ereignis im Sinne einer Singularität. Keine Wahrscheinlichkeitsüberlegung kann diese Ereignisse im Vorhinein in eine Erwartungshaltung überführen. Und gerade diese Unerwartbarkeit ist es, die dazu führt, dass sich das Fernsehen dann im Nachhinein auf solche Ereignisse stürzt. Sofort kommt die Wiederholung des Ereignisses in Zeitlupe: „Hier: Achtung! Ja! Ein Papierbällchen“ kommentiert der Kommentator nahtlos weiter und mit dem daraus resultierenden Eckball fällt das Tor, das Werder Bremen den Sieg beschert. Direkt nachdem das Papierbällchen den Ball zur entscheidenden Ecke abgelenkt hat, wird es sichergestellt – so informiert der Kommentator die Zuschauer – und nach dem Spiel wird es präsentiert, besprochen, in die Kamera gehalten. Auf YouTube häufen sich die Clips, die Papierkugel geht unrühmlich in die 122-jährige Vereinsgeschichte des HSV ein, wird als „Papierkugel Gottes“ bezeichnet, auf E-Bay gleich mehrfach angeboten und schließlich vom Sat1 Moderator dem Sportdirektor von Werder Bremen überreicht. &#8220;Das nehme ich mit. Die Kugel kommt ins Werder-Museum. Da wird sie einen besonderen Platz erhalten&#8221;, sagt dieser und somit schafft die Kugel es wohl  nun auch zum Museumsstück (Meldung und Zitat nach <a href="http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,623650,00.html">Spiegel online</a> ). Die unwahrscheinlichen Ereignisse und Dinge sind es also, die in einer solchen Monitoring Konstellation als wertvoll gelten. Sie einzufangen ist Erfolg des Fernsehens und doch etwas, das es selbst nicht herstellen kann. Gerade deshalb muss es ein solches Ereignis sofort wiederholen und eingliedern und mit Kommentar belegen – Und gerade deshalb legt eine Papierkugel auch nur im Fernsehen eine derart steile Karriere hin, die es dann in der Presse und im Museum fortsetzt.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://mediendenken.de/2009/05/der-aufstand-der-dinge/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

<!-- Dynamic Page Served (once) in 0.280 seconds -->
