Das Buch

Heinevetter/Sanchez: Was mit Medien. Theorie in 15 Sachgeschichten
erschienen im Wilhelm Fink Verlag, UTB-Reihe 2008

Jeder Essay widmet sich wichtigen Autoren, Konzepten und Perspektiven der Medientheorie und veranschaulicht diese anhand aktueller Beispiele: Von Untersuchungen alltäglicher (Medien-)Phänomene und Praktiken wie Reality TV, Latte Macchiato, Handy, Computerspiel oder Wikipedia über Fragen zur Medialität von Luft oder Liebe oder der Wirkmacht von Tintenkiller & Co auf Hirngespinste bis hin zu Diskussionen zum Einfluss sogenannter Medien auf Denkgewohnheiten, kulturelle Praktiken oder unser aller Selbstverständnis die Inhalte sind so bunt wie das Terrain der Medientheorie.

Auf diesem Teil der Website stellen wir einige Abschnitte aus unserem Buch vor.
Nadine Sanchez & Nele Heinevetter

Einleitung & Inhaltsverzeichnis

Im Kapitel Was mit Medien geht es zunächst um die Frage, was Medien eigentlich sind!

Alles Medium oder was? begibt sich dafür per ›Navi‹ auf die Spuren Fritz Heiders – in eine Theoriewelt fernab von Massenmedien oder Medientechnik, dafür aber mit System und aisthetischem Leerstoff.
In Mein Medium und ich erfahren wir, Marshall-Prothesengott-McLuhan sei Dank, weshalb wir wie von Sinnen sind, wenn wir unser Handy verlegen, warum neue Medien uns schockieren und vor allem, was genau dies mit Temperaturschwankungen zu tun hat. Mehr »

1.1 Alles Medium oder Was

Fritz Heider von Medien umgeben

Nach 100 Metern rechts abbiegen.
Jetzt: rechts abbiegen.
Dem Straßenverlauf für 3,2 Kilometer folgen …
- Schön, wenn heute wenigstens einer an Bord weiß, wo’s langgeht!

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1.2 Mein Medium und ich (Volltext)

Marshall McLuhan und seine Prothesen

Ein schöner Sonntagnachmittag, die Sonne scheint, du sitzt im Café und freust dich auf einen frisch gepressten Orangensaft. Noch schnell eine nette SMS an die beste Freundin, schließlich hast du dich schon eine ganze Weile nicht gemeldet.
Nur wo in dieser Riesentasche hat sich bloß diesmal das Handy versteckt?
Wühl. Kram … Taschentücher, Portemonnaie, Haustürschlüssel – kein Handy.
Erster Panikanflug.
Hast du es zu Hause liegen lassen? Oder, Gott bewahre, etwa verloren?
Totale Panikattacke.
O.K., wo hattest du es zum letzten Mal? War das noch heute oder wann?
Oje, oh nein! Fieberhaftes Suchen. Der Kampf: Mensch gegen Unordnung in Tasche.
Die erste Träne kündigt sich an. Nicht aufgeben, weitersuchen! Andere Optionen checken: Hosentasche … Jackentasche … Innenseite – da ist es, Gott sei Dank! Freude. Endlose. Du bist wieder komplett Mehr »

1.3 Geld oder Liebe

Talcott Parsons und Niklas Luhmann im Battle.

Das ist hier die Frage.
Beide Begriffe stehen hier für unterschiedliche Weisen, Medien zu definieren – jeweils vertreten durch einen bekannten Wissenschaftler im Bereich der Soziologie. Ring frei: Mehr »

1.4 Von allen guten Geistern verlassen

Friedrich Kittler, Rächer der Medientechnik

1942: Japan befindet sich inmitten des Zweiten Weltkrieges. Zu allem Überfluss überschatten Sorgen an der heimischen Front die Kampfhandlungen: Während das japanische Kaiserreich die Japonisierung (nipponka) der unterworfenen asiatischen Regionen forciert, zeigt sich das eigene Volk ironischerweise von der westlichen Kultur und Lebensweise beeinflusst. Mehr »

1.5 A(priori) propos

Michel Foucault und der Diskurs der Medien

Geisteswissenschaftlicher Sammelbegriff (6 Buchstaben): M _ _ _ E _
Körper, Buchdruck, Radio, Kleidung, Licht, Liebe, Relais, Auto, Perspektive, Literatur, Theater, Werkzeug, Bild/Schrift/Zahl, Kunst, Post, frühzeitliche Register für Hochwasser und Sternenstand, Wahrsager, Stimme, Holzschnitt, Rechner, Mikroskop, Waffe, Wasser, Hardwaresystem, Flugzeug, Brieftaube, Tanz, Photographie, Schallplatte, Geld, Film, Presse, Brille, Schreibmaschine, Grenzstein, Satellitennavigationssystem, Megaphon, Elektrifizierung, Kunst, Grammophon, Füller, Telephon, Videospiel, Fernsehen und Sprache … oder einfach nur Medien?! Mehr »

2.1 Ich sehe was, was du nicht siehst

- nach konstruktivistischer Spielart

»Die Wolken? Du bist doch bescheuert, es gibt keine roten Wolken!«
»Wohl! Schau doch!«
»Farbenblind bist du! Das ist doch nicht rot!«
»Natürlich ist das … oh … äh, aber gerade war es wirklich rot! Ich schwör’!«
»Maaaaaama, Paul mooogelt!«
Terror auf der Rückbank statt ruhiggestelltem Nachwuchs – Ich sehe was, was du nicht siehst stiftet grundsätzlich immer Unfrieden! Mehr »

2.3 Der Mythos Latte macchiato

Auf einen semiotischen Kaffee mit Roland Barthes

Seit wann kann man eigentlich keinen normalen Kaffee mehr trinken? Nach Espresso und Cappuccino hat ja seit geraumer Zeit ein regelrechtes Latte-macchiato-Fieber das neue Genießerdeutschland gepackt. Kaum einer, der sich der Köstlichkeit aus Italien noch entziehen kann oder will. Der gemeine Deutsche hat die Nase scheinbar voll von der schnöden Tasse Kaffee. Espresso stellt für das Gros keine Alternative dar, weil zu stark, und Cappuccino ist 90er und damit raus. Mehr »

3.1 Du bist Wissensgesellschaft

Eine mediologische Milieustudie mit Régis Debray

»Alle lieben Wikipedia!«, jubelt der stern. »Die Wikipedia ist eines der Leitmedien des
World Wide Web«, konstatiert DIE ZEIT. Und die Süddeutsche Zeitung erkennt in Wikipedia eine der wenigen »Gala-Vorstellungen« – inmitten von »Loser-Generated-Content«, »Relativität« und »Schwarmimpertinenz« des Web 2.0. Mehr »

3.2 Fragmente einer Geschichte des Löschens

Ein Hoch auf das Vergessen mit Platon und Sigmund Freud

1. Briefe zur Post
2. Schuster
3. Ebay-Überweisung
4. Einwohnermeldeamt
5. Zahnpasta, Klopapier, Duschgel
6. Mama anrufen Mehr »