Von der Ansicht zur Aufsicht – Ein Perspektivenwechsel

Die zunehmende Anzahl (wenig informativer) Pressebilder aus der Vogelperspektive, bestärkt Jennifer Allen in der These, dass sich in Zeiten der Google-Kartographie und GPS-Verortung unsere Sicht der Dinge von einer statischen Zentralperspektive zu einer dynamischen Vogelperspektive wandelt. Mehr zur Aufsicht als symbolischer Form des 21. Jahrhunderts in ihrem Artikel That Eye, The Sky.
Der französische Soziologe, Ethnologe und Anthropologe Marcel Mauss hat sich in seinem Werk unter anderem mit den Körpertechniken des Menschen auseinandergesetzt. Sprich, mit der Weise, in der sich die Menschen ihres Körpers bedienen. Oder anders ausgedrückt: mit den körperlichen Handlungen, die im Leben des Einzelnen sowie in der Geschichte der jeweiligen Gemeinschaft mehr oder weniger traditionsgemäß sind. Mehr »
Alleine Fußball schauen ist trist.
Ein Spiel in großer Gruppe zu verfolgen, sich von der Euphorie der anderen mittragen lassen, Fans der gegnerischen Mannschaft (theoretisch) direkt ins Gesicht schreien zu können und sich bei Torfall (praktisch) in den Armen zu liegen – das ist Fußball, wie er sein soll! Ein Gemeinschaftserlebnis unter Freunden, in Angesicht von Feinden. Neumodischer Titel des kollektiven, Plasma-gesteuerten Rausches: “Public Viewing”.

(Und so hört sich’s an: human-voice-crowd-battle-cry-charge-scream-01)
Ubiquitärer Auftakt diser Massenversammlungen war die WM 2006. Allerorts wurden überdimensionale Bildschirme aufgestellt, um die Spiele gemeinsam in sportlich-miteifernder Manier verfolgen zu können. Spätestens zu dem Zeitpunkt war klar, dass die Idee von der Vereinsamung der Menschen vor ihren Bildschirmen durch den Gang in die (digitale) Mediengesellschaft nicht mehr zu halten ist.
Public Viewing – die neue Form der griechischen Agora?